Galileo kommt vor 2011 nicht in die Gänge
Nach dem neuesten Stand der Dinge wird das im Endausbau aus 30 Satelliten bestehende weltumspannende System zur punktgenauen Ortsbestimmung auf der Erde nicht vor 2011 voll funktionsfähig sein - gut zwei Jahre später als geplant.
Ursache ist eine zu späte Einigung der Politiker über die Finanzen. Wenn die Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Europäischen Union und der Europäischen Weltraumagentur [ESA] stimmen, dann ist es verwunderlich, dass der Aufbau von Galileo so schleppend vorankommt.
Alles in allem geht es um 3,2 Milliarden Euro, und jeder investierte Euro soll sich den Angaben zufolge mindestens fünffach rentieren.
Allein der bis 2020 erwartete Verkauf von jährlich drei Milliarden Empfangsgeräten soll einen Erlös von mehr als 250 Milliarden Euro bringen. Zudem soll Galileo bis zu 150.000 neue Jobs in Europa schaffen.
Eine Studie der EU-Kommission erwartet von dem satellitengestützten Navigationssystem volkswirtschaftliche Erträge von 74 Milliarden Euro in 20 Jahren. Als Rückfluss an Steuereinnahmen werden 45 Milliarden Euro bis 2025 erwartet.
Pedro Pedreira wird Galileo-ChefErster Satellit Ende 2005
Für den Aufbau des Gesamtsystems haben EU und ESA erstmals ein gemeinsames Unternehmen gegründet, das Galileo Joint Untertaking [GJU]. Die Firma hat im Dezember 2004 mit zweijähriger Verspätung den Auftrag für die ersten vier Satelliten erteilt, nachdem die EU-Staaten beschlossen hatten, ein Drittel der Kosten das Gesamtsystems zu übernehmen.
Auftragnehmer ist die Firma Galileo Industries, ein Zusammenschluss führender europäischer Raumfahrtunternehmen mit Hauptsitz in Ottobrunn bei München.
Ende 2005 soll der erste Satellit in eine Umlaufbahn geschossen werden. Bis Ende 2008 sollen alle vier im Orbit sein und im Zusammenspiel mit der Infrastruktur auf dem Boden die Funktionsfähigkeit des Systems nachweisen.
2011 sollen dann alle 30 Satelliten auf drei verschiedenen Umlaufbahnen in 23.616 Kilometer Höhe die Erde umkreisen - auf jeder Bahn zehn Satelliten in einem Winkel von 56 Grad zum Äquator. Die Zahl der Satelliten, die Lage der Umlaufbahnen und die Inklination stellen nach Berechnungen der ESA sicher, dass jedermann überall in der Welt zu jeder Zeit die Daten von mindestens vier Satelliten empfangen und so seine Position auf den Meter, oft sogar auf den Zentimeter genau bestimmen kann.
Damit ist das System wesentlich genauer als das US-amerikanische GPS, bei dem zudem im Zweifel das Militär Vorrang hat, während Galileo unter rein ziviler Führung steht.
Auch Österreich ist "massiv interessiert", eine Rolle beim Aufbau des Satellitennetzes zu spielen, wie der Geschäftsführer der Forschungsförderungsgesellschaft und langjährige Chef der Austrian Space Agency [ASA], Klaus Pseiner, betont. Wenn eine so große Zahl an Satelliten gebaut werde, könne man es sich nicht leisten, nicht dabei zu sein. Die Vergabe bis auf das Niveau der Subsysteme sei bisher aber noch nicht erfolgt.
Deutschland will besseren Galileo-DealKeine Betreiber ausgewählt
Während Galileo Industries die ersten Satelliten baut, ist die GJU bemüht, das Vergabeverfahren zur Auswahl des künftigen Betreibers des Systems bis Ende Juni abzuschließen.
Um die Lizenz für zunächst 20 Jahre haben sich zwei Konsortien beworben: Inavsat mit deutscher, französischer und britischer Beteiligung sowie Eurely mit italienischen, spanischen und französischen Unternehmen.
Zuletzt wollten die beiden Unternehmen ein gemeinsames Angebot abgeben. Das prüfende EU-Galileo-Unternehmen erklärte jedoch, es stehe einem Zusammenschluss der beiden Konsortien kritisch gegenüber.
