News im Netz gefragt und umkämpft
Nachdem die französische Nachrichtenagentur AFP erfolgreich dagegen intervenierte, Bestandteil von Googles News-Suche zu sein, scheint nun auch die US-Agentur Associated Press [AP] Bedenken zu haben.
Im Gegensatz zur AFP haben sie Google zwar noch nicht verklagt und auch noch nicht das Entfernen ihrer Storys aus dem Angebot verlangt, man sei aber in Verhandlungen, damit Google eine entsprechende Lizenz für die rechtmäßige Verwendung der AP-Meldungen kaufe, so Jane Seagrave von AP.
Reuters, die dritte große Nachrichtenagentur, hat wiederum gar kein Problem damit, dass Google seine Website nach News abgrast. Da Google die Geschichten nur kurz anreißt und gleich mit einem Link auf die entsprechende Website verweist, hofft Reuters, dadurch mehr User auf seiner eigenen Website [mit Werbung] zu bekommen.
Während Google bis zu 4.500 ausgewählte Quellen mit einer eigenen Software automatisch nach den aktuellsten Geschichten abgrast und dafür nichts zahlt, zahlen die meisten anderen dafür - auch Yahoo.
Google gibt AFP bei News-Suche nachGeld für Qualität
Die unterschiedliche Herangehensweise der Nachrichtenagenturen spiegelt sich auch bei den News-Anbietern Yahoo und Google wider.
Yahoo zahlt nicht nur für die Nutzung seiner News-Quellen, die Geschichten werden teilweise per Hand selektiert, teilweise arbeiten sich auch hier automatisierte News-Bots durchs Netz. Im Gegensatz zu Google werden hier die Storys im eigenen Netzwerk dargestellt und bringen so Geld über Werbung.
Die Lizenzzahlungen hätten die Glaubwürdigkeit des Services erhöht, so Neil Budde, Yahoos Nachrichtenchef. Auch schaffe es Yahoo damit, Nachrichten schneller als Google zu bringen, das darauf warten muss, bis seine Quellen die Geschichte bringen.
Beim Tod des Papstes habe es etwa 45 bis 50 Minuten gedauert, bis der Papst auch bei Google News gestorben war, so Budde weiter.
Generell werden News-Service-Sites gut besucht: Yahoo führte im Februar die Riege mit 24,6 Millionen Besuchern an, es folgen die AOL News mit 21,1 Millionen Besuchern, so die Auswertung von ComScore Media Metrix. Google liegt mit 5,9 Millionen Besuchern an zehnter Stelle, hat aber mit Wachstumsraten von 90 Prozent [vgl. Februar 2004].
Zukunft der Nachrichten liegt im InternetUser bestimmen ihre News selber
Google hat noch ein anderes Problem: Da die Nachrichten nur rein von einer Software gesammelt werden, kann auch unerwünschtes Material darin aufscheinen. So tauchten etwa Websites mit antisemitischen Inhalten bei Google News auf, die nach Protesten schließlich entfernt wurden.
Laut Google arbeitet seine Software aber nach Entscheidungskriterien, die vorher von Menschen festgelegt wurden.
Für AP-Chef Tom Curley krempelt das Netz vor allem die Mediennutzung um. Nicht mehr die Medienkonzerne würden festlegen, was wann gesehen oder gelesen wird, sondern die Nutzer könnten selbst über Online-News-Sites, Suchmaschinen und Videorekorder bestimmen, was sie wissen wollen und wann und wo sie darüber informiert werden.
"Man muss sich daran gewöhnen, dass alles 'gegoogelt', 'deep-linked' und 'geTivot' wird," so Curley im November letzten Jahres.
