05.04.2005

OPEN SOURCE

Vorerst kein Linux an Wiens Schulen

Die Grünen sind am Freitag mit einem Antrag zur Umstellung der Wiener Pflichtschulen auf Linux abgeblitzt.

SPÖ, ÖVP und FPÖ stimmten im Gemeinderat gegen eine Sicherstellung der Voraussetzungen für den Einsatz von Linux und Open-Source-Software beim Neukauf von Hard- und Software.

"Dabei ist es langfristig viel wichtiger, Alternativen in Schulen zu bringen, als an den Arbeitsplatz der Stadt Wien. Wenn Kinder das E-Mailen ausschließlich mit Outlook und das Texten mit MS-Word lernen, schafft man damit eine lebenslange Abhängigkeit," so die Grüne-Antragstellerin Marie Ringler.

Befürworter versprechen sich von einem Umstieg von Windows auf Linux einerseits eine Kostenersparnis, für das Betriebssystem fallen keine Lizenzgebühren an, andererseits auch das Loslösen aus der Abhängigkeit eines marktbeherrschenden Konzerns.

Sowohl bei der SPÖ als auch bei der ÖVP will man die jetzige Entscheidung auf Nachfrage von futurezone.ORF.at jedoch keineswegs als Absage an das freie Betriebssystem verstehen.

"Wir zählen uns zu den Befürwortern von Open-Source-Software," so Gerhard Zeinitzer, Pressesprecher der ÖVP. Bei vorheriger Diskussion in einem Ausschuss hätte man dem Antrag durchaus auch zugestimmt. "Die überstürzte Abstimmung ohne Diskussion entspricht für uns nicht der Wichtigkeit des Themas."

Erst Fortbildung für Lehrer

SPÖ-Gemeinderat Andreas Schieder erklärt die Abstimmung seiner Partei damit, dass ein Großteil der an den Volks- und Hauptschulen eingesetzten Lernsoftware nicht unter Linux laufe.

Die Software würde meist vom Elternverein oder aus der Klassenkasse angeschafft, und man wolle deren Einsatz nicht behindern.

"Wir wollten vermeiden, dass Chaos ausbricht, wenn die aktuellen Lernprogramme nicht mehr funktionieren", so Schieder im Gespräch mit futurezone.ORF.at. "Wir werden das Thema aber auf jeden Fall im Auge behalten und von den Umstiegserfahrungen der Stadtverwaltung profitieren."

Im nächsten Schuljahr schaue es wohl schon ganz anders aus, derzeit sei es aber noch zu früh für einen Umstieg. Denn auch die Lehrer müssten erst mit der freien Software bekannt gemacht werden, eine Fortbildungsoffensive sei bereits in Planung.

Studienergebnisse kommen im Mai

Enttäuscht von der Entscheidung im Gemeinderat zeigt sich Gerhard Schwed, Projektleiter der Studie "Linux für die Schule" der Donau-Universität Krems. Diese wird derzeit im Auftrag des Ministeriums erstellt und untersucht, wie sinnvoll der Einsatz des freien Betriebssystems in der Schule ist.

"Es wäre wichtig, sich alle Türen offen zu halten, um in Zukunft frei zu wählen. Schon seit 2002 gibt es auch eine Empfehlung des Bundeskanzleramts, dass bei der Anschaffung im öffentlichen Bereich auf Plattform-Unabhängigkeit Wert gelegt werden soll", so Schwed. Zudem bringe das auch strategische Vorteile bei Verhandlungen mit Microsoft.

Die Ergebnisse der Linux-Studie würden im Mai präsentiert, ein eigenes Webportal gebe dann die erprobten Richtlinien weiter, auch eine Datenbank mit Tests von Lernsoftware und deren Linux-Tauglichkeit ist geplant.

"An höheren Schulen gibt es bereits sehr viele engagierte Initiativen, die gerade beginnen, sich zu vernetzen," so Schwed weiter.