Frankreichs Kampf gegen Google
Die Dominanz der englischen Sprache in weiten Teilen des Netzes ist unbestreitbar und größtenteils historisch bedingt.
Doch auch die meisten Anwendungen wie etwa Suchmaschinen haben meist einen englischsprachigen Hintergrund, nur selten können sich nationale Angebote wirklich durchsetzen.
Dem will der französischen Präsident Jacques Chirac nun offenbar verstärkt entgegentreten. Neben der Digitalisierung der französischen Nationalbibliothek regte er eine eigene Suchmaschine für französische Texte an - ein "Le Google" sozusagen.
Google dominiert die Online-Suche in Frankreich, 74 Prozent aller Suchanfragen werden über den US-Anbieter abgewickelt. Damit wäre Google auch für die Text-Suche eigentlich der ideale Kandidat. Doch Chirac und sein Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres stoßen sich an der Methode, nach der bei Google die Sucheinträge gereiht werden.
Vor knapp zwei Jahren wurden die Staatsdiener Frankreichs per Verordnung zur Verwendung eines eigenen französischen Ausdrucks ["courriel"] statt des englischen "E-Mail" verpflichtet.
Neuer Name für E-Mails per VerordnungPopularität nicht das einzige Kriterium
Er glaube nicht, so Donnedieu de Vabres in der "Le Monde", dass der einzige Schlüssel für den Zugang zur französischen Kultur alleine von der Popularität [das Bewertungskriterium für Links bei Google] abhängen sollte.
Auch Jean-Noel Jeannenney, Leiter der französischen Nationalbibliothek, kritisierte jüngst die Dominanz der USA, die Gefahr laufe, die Betrachtung der Geschichte und der Welt von zukünftigen Generationen zu stark zu beeinflussen.
Google als Firma sei ein Ausdruck des US-Systems, bei dem das Marketing der König sei, so Jeanneney gegenüber "L'Express". Werber und Nachfrage sollten nicht alleine über guten Geschmack und Kultur-Gewandtheit triumphieren. Anstatt Beliebtheit als Kriterium zu nehmen, soll ein Experten-Komitee über die Wichtigkeit von Einträgen entscheiden.
Das Projekt hat allerdings einen kleinen, wenn auch gewichtigen Schönheitsfehler: Wenn die Links nicht nach Beliebtheit gereiht werden, dann können auch die Werber nicht sichergehen, dass ihre Einschaltungen gesehen werden und entsprechend auf Einschaltungen verzichten. Damit müssten alleine die französischen Steuerzahler für die nicht zu unterschätzenden Investitionskosten aufkommen.
In Frankreich scheint die Abneigung gegen Google derzeit en vogue zu sein. Nicht nur französische Firmen wehren sich gegen die Verwendung ihrer Firmenmarken als Such-Keywords für Googles Werbeprogramm, auch die französische Nachrichtenagentur AFP hat sich erfolgreich aus dem News-Angebot Googles geklagt.
Google gibt AFP bei News-Suche nachDie Tradition der französischen Sprache
Die Reglementierung der französischen Sprache und das Zurückdrängen von Anglizismen hat in Frankreich eine lange Tradition. Im Fernsehen wird die Verwendung von englischen Ausdrücken per Gesetz reglementiert.
Oberster Sprachhüter ist die 1635 gegründete Academie Francaise. Konsequent versuchen die französischen Institutionen, auch die Computerwelt mit Begriffen aus der eigenen Sprache zu belegen.
Der Computer selbst wird in Frankreich fast überall als "ordinateur" bezeichnet, Laptops heißen "portables", Spam "Arrosage" und der Bug [Fehler] wird als "Bogue" gehandelt.
