Neues Lizenzmodell für Open Source
Die GNU General Public License, das am weitesten verbreitete Modell für Open-Source-Software, ist in die Jahre gekommen.
Die GPL wurde vom Gründer der Free Software Foundation, Richard Stallman, ins Leben gerufen und zuletzt im Jahr 1991 geändert.
Nun steht die Version 3 der Lizenz an, unter der auch alle Linux-Distributionen und die meiste Software für Linux laufen. Die GPL wurde ins Leben gerufen, um zu gewährleisten, dass wichtige Codes stets frei zugänglich bleiben und Änderungen daran auch wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden müssen.
GPL ist 14 Jahre alt
In den letzten 14 Jahren hat sich die Softwareindustrie gewaltig
weiterentwickelt. In der neuen Lizenzversion sollen Themen wie
Urheberrechte und Patente angesprochen, aber auch Bereiche wie
Software, die über ein Netzwerk verwendet wird, abgedeckt werden.
Gleichzeitig wird auf Unterschiede zwischen dem angloamerikanischen
und dem westeuropäischen Rechtssystem eingegangen.
Neuerungen für die General Public LicenseFurcht vor Spaltung
Seit letztem Jahr sammelt Eben Moglen, Chefanwalt der Free Software Foundation, Anregungen für die nächste GPL-Version. Zuletzt hatten einige Entwickler Bedenken ausgedrückt, dass die neue Version zu einer Spaltung der Open-Source-Gemeinde führen könnte.
Linux beispielsweise ist derzeit ausschließlich unter der Version 2 lizensiert. "Wenn man sich die riesige Zahl an Linux-Distributoren ansieht, heißt das, dass man Linux nicht auf einen Schlag zu GPLv3 umlizensieren kann", heißt es auf der Debian-Mailingliste für rechtliche Angelegenheiten.
Wenn die GPL 3 freigegeben wird, ist es theoretisch möglich, dass Open-Source-Projekte in GPL-2- und GPL-3-Versionen geteilt werden - ein Prozess, der "Forking" genannt wird und unter Anhängern freier Software generell Unbehagen auslöst. Forking, gleich unter welchen Umständen, teilt auch die Entwicklergemeinde und vernichtet so wichtige gemeinsame Ressourcen.
Open Source für Kunst und Wissen"Wissen, was wir tun"
Moglen wiederum sieht kein Problem in der Migration von GPL 2 auf GPL 3. "Ich denke nicht, dass es zu Schwierigkeiten kommt", so Moglen. "Wenn wir den Entwurf zur GPL 3 fertig gestellt haben, wird es genug Gelegenheit für alle Beteiligten geben, ihre Kommentare und Wünsche auszudrücken." Erst nachdem alle Seiten gehört worden sind, will man zum Endentwurf schreiten.
"Wenn dies vorbei ist, werden alle sagen: 'Es ist besser, es ist nicht viel anders, was war eigentlich die Aufregung?'", so Moglen. "Die Entwickler müssen uns vertrauen, dass wir wissen, was wir tun."
