15.01.2005

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Apple auf den Spuren der Musikindustrie

Apples Klage gegen Websites, die Gerüchte über neue Produkte verbreiten, könnte sich durchaus auch als Eigentor erweisen.

Nun wurde bekannt, dass hinter der Website Think Secret, die knapp zwei Wochen vor der offiziellen Präsentation des Mac mini von einem Apple-Rechner unter 500 Dollar berichtet hatte, ein 19-jähriger Harvard-Student steht.

Weil er sich die Anwaltskosten nicht leisten kann, sucht Nicholas Ciarelli nun einen Anwalt, der seinen Fall gratis oder zu einem geringen Entgelt übernimmt. Derzeit ist Ciarelli noch nicht selbst angeklagt, die Klage vom 4. Jänner nennt sein Netz-Pseudonym Nick DePlum als Angeklagten.

Ciarelli selbst ist sich keiner Schuld bewusst, seine Recherche-Techniken seien die gleichen wie die jedes Journalisten, er rede mit Quellen, bestätigte Details und folge Tipps und Spuren, die er erhalte. Sein Studium finanziere er sich über die Werbung auf seiner Website, die sowohl von Apple als von Konkurrenten wie Microsoft komme.

Hype um Apple-Produkte

Mit diesen Details könnte sich der Fall, auch durch Ciarellis Berufung auf den ersten Zusatz zur amerikanischen Verfassung über die Meinungsfreiheit, durchaus gegen Apple richten. Die Musikindustrie hat mit ihren Klagen gegen US-Tauschbörsenuser bereits solche Erfahrungen gemacht.

In einem Statement gab Apple an, dass die "DNA [das Erbgut, Anm.] der Firma Innovation und der Schutz der Geschäftsgeheimnisse entscheidend für den geschäftlichen Erfolg ist". Durch die Veröffentlichung der Vorab-Infos würde "das Interesse beim Launch der Produkte abnehmen" und die Konkurrenz könne einen Vorteil erzielen.

Allerdings dürften die geklagten Websites auch einen gewissen Anteil an dem Hype rund um die Apple-Produkte haben und die Argumentation erscheint angesichts des enormen Interesses an dem diese Woche vorgestellten Mac mini und des iPods shuffle nicht wirklich schlüssig.

Knappes Zeitbudget für Konkurrenz

Ende Dezember erschien auf Think Secret ein Artikel, der sich auf "sehr verlässliche Quellen" berief und Details über einen kostengünstigen Apple-Computer unter 500 Dollar anführte - knapp zwei Wochen, bevor der Mac mini auf der MacWorld präsentiert wurde, und kaum genügend Zeit für Konkurrenzprodukte anderer Hersteller.

Die Electronic Frontier Foundation vertritt in dem Fall bereits Appleinsider und PowerPage, von den Apple durch einstweilige Verfügungen die Quellen ihrer Berichte erhalten möchte, und wird Ciarellis Fall nicht übernehmen.

Zusätzlich zu den einstweiligen Verfügungen müsse sich Ciarelli auch noch wegen der Veruntreuung von Geschäftsgeheimnissen verantworten, so Kurt Opsahl von der EFF. Die EFF versuche ihm dabei zu helfen rechtlichen Beistand zu finden.