"Techno-Party" auf Saturn-Mond Titan
Die europäische Raumsonde Huygens hat nach ihrer erfolgreichen Landung auf dem Saturn-Mond Titan Hinweise auf Wettergeschehen gefunden.
Für Missionsanalytiker Michael Kahn ist das das wichtigste Ergebnis des Unternehmens. Es bestätige die Vermutung, dass auf dem größten Saturnmond Bedingungen herrschten, die denen in der Frühzeit der Erde ähnelten.
Marcello Fulchignoni präsentierte auch Töne aus der Atmosphäre des Titan: ein lautes Rauschen. "Wenn man genau hinhört, sind Unterschiede zu erkennen, aber die genaue Analyse erfordert Zeit." Publikumswirksamer war die zweite Probe, für die sein Team Radarmessungen in Töne umsetzte.
Je näher "Huygens" der Oberfläche kam, desto mehr schneller und höher wurde die Melodie, die an aktuelle Discomusik erinnerte. "Sie sind alle zu einer Techno-Party auf dem Titan eingeladen", sagte Fulchignoni.
Die Sensoren des Landegerätes registrierten nach Angaben der Wissenschaftler der Europäischen Raumfahrtbehörde [ESA] am Landeplatz einen weichen Boden, ähnlich nassem Sand oder Ton.
"Huygens" sendet erste Fotos vom TitanBodennebel und Methan-Seen
Eine vorläufige Bewertung der Bilder, die die Kameras der Sonde aufgezeichnet hatten, zeigt laut Kahn deutliche Anzeichen für Niederschläge und Flüsse. Auf einem Bild sei sogar so etwas wie eine Küstenlinie zu erkennen. Das deute auf Seen oder matschiges Gelände.
Laut dem US-Wissenschaftler Marty Tomasko, der für die Fotos verantwortlich ist, bestätigen die ersten Daten die Annahmen der Wissenschaftler, dass die Oberfläche des Titan aus Methan-Seen und -flüssen und kleinen und großen Brocken aus Wassereis besteht.
Auf der orange-braunen Oberfläche von Titan fanden die Forscher Anzeichen für Bodennebel. Im dichten Dunst der Gashülle wurden Kohlenwasserstoffe gefunden, sowie längerkettige Moleküle aus Stickstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff.
Insgesamt hat Huygens 350 Bilder aufgenommen. Weil einer der Übertragungskanäle des bordeigenen Senders ausgefallen war, konnte von den ursprünglich vorgesehenen 700 Bildern nur die Hälfte aufgenommen werden. Auch die Windmessung ist dadurch ausgefallen, soll aber aus dem Signal von "Huygens", das von 18 Radioteleskopen auf der Erde aufgefangen wurde, zu 90 Prozent rekonstruiert werden können. Man habe zudem nicht von allen Daten Sicherheitskopien senden können, so Kahn weiter. Huygens habe aber ohnehin sehr viel mehr Daten geliefert, als man erwartet habe.
Bilder von TitanKanal-Ausfall wird analysiert
"Dabei könnte es sich um primitive Vorstufen von Verbindungen handeln, wie sie in der Frühphase der Erde zu Aminosäuren - den Bausteinen des Lebens - geführt haben", so Kahn.
Weitere Untersuchungen sollen jetzt klären, ob auf dem Titan tatsächlich Substanzen zu finden sind, die auch in der Ursuppe vor vier Milliarden Jahren auf der Erde die Entwicklung des Lebens anleiteten.
"Die ersten Ergebnisse haben mich umgehauen", so ESA-Wissenschaftsdirektor David Southwood bei der Präsentation in der Raumfahrtkontrollstation ESOC in Darmstadt.
Alle Geräte hätten fehlerfrei gearbeitet. Den Ausfall des einen Kanals wertete er als "Opfer an die Götter". Für den Ausfall sei aber allein die ESA verantwortlich, er soll noch analysiert werden.
Die Huygens-Instrumente
