"Huygens" sendet erste Fotos vom Titan
Nach dem "Beagle 2"-Verlust vor einem Jahr kann die europäische Raumfahrt nun wieder einen Erfolg verzeichnen: Die Sonde "Huygens" ist am Freitag um 12.47 Uhr erfolgreich auf dem Saturn-Mond Titan gelandet.
Auch erste wissenschaftliche Daten, darunter auch 350 Fotos, über den geheimnisumwitterten Saturn-Trabanten wurden bereits von der Raumfahrtkontrollstation ESOC in Darmstadt empfangen.
"Wir sind damit die ersten Besucher auf dem Titan", so der Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur [ESA], Jean-Jacques Dordain. Die über 1.000 technischen Mitarbeiter und Forscher, die an der Mission beteiligt waren, feierten die gute Nachricht mit lautem Applaus.
Die die 343-Kilo-Sonde hat den Aufprall auf der Oberfläche gut überstanden und insgesamt mehr als vier Stunden in der unwirtlichen Umgebung des Titan bei Windgeschwindigkeiten von etwa 500 Stundenkilometern und Temperaturen von minus 180 Grad geforscht.
Siebenjährige Anreise
"Huygens" wurde zu Weihnachten nach mehr als sieben Jahren Reise
durchs All vom US-Raumschiff "Cassini" abgekoppelt und in einen
Tiefschlaf versetzt, der erst für die Landephase beendet wurde.
"Huygens" nimmt Kurs auf den TitanEisberge und Methanflüsse
Marty Tomasko vom Planetary Laboratory in Arizona beschreibt die ersten Bilder des Titan als "Gebirge aus Eis, durchzogen von Flüssen und Bächen aus Methan."
"Wir hatten Flüssigkeit auf dem Titan erwartet, konnten es bislang aber nicht bestätigen", sagte Tomasko. Das erste Bild, das aus 16 Kilometer Höhe aufgenommen worden ist, lasse jedoch keine Zweifel aufkommen. "Darauf ist eindeutig eine Gebirgs- oder Hügellandschaft zu erkennen, die von Flussbetten durchzogen ist. An einer Seite grenzt eine Küste einem See oder Meer an."
"Huygens" hat 350 Fotos aus seiner Umgebung geschossen. Sie zeigen eine Ebene, auf der Eisblöcke in verschiedenen Größen liegen. Bei der Fläche könnte es sich um eine Art Sumpf aus Methan und Kohlenwasserstoffen handeln, der die Landung der Sonde abgefedert hat.
Nach Auskunft von Tomasko sind die Bilder noch nicht bearbeitet. "Sie weisen noch viele Fehler auf und zeigen nur einen kleinen Teil der Wahrheit." In den kommenden Tagen könnten die Wissenschaftler aussagekräftigere Bilder präsentieren.
Mehr Fotos bei der ESA500 Megabyte Geräusche, Klimadaten
Neben Fotos lieferte die Sonde auch Geräusche vom Titan sowie Analyse-Ergebnisse von der Zusammensetzung der Atmosphäre und Klimadaten.
Huygens hat sechs Messinstrumente an Bord, zwei davon wurden unter Beteiligung österreichischer Forscher des Instituts für Weltraumforschung [IWF] der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz entwickelt.
Rund 500 Megabyte an Informationen sendete die Sonde zuerst zur US-Raumsonde "Cassini", die diese dann zur Erde weiterleitete. Um die 1,2 Mrd. Kilometer zu überbrücken, wurden 67 Minuten benötigt.
Insgesamt dauerte die Übertragung rund vier Stunden. Vier Minuten nach ihrem Eintritt in die Atmosphäre habe die Sonde mit der Übertragung der Daten an "Cassini" begonnen und dies nach ihrer Landung mindestens so lange getan, wie sich die Muttersonde über dem Horizont des Titan befand, teilte die ESA mit.
"Wir sind Zeugen eines einmaligen Projektes in der Raumfahrt", freute sich die deutsche Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn, die zurzeit dem ESA-Rat vorsitzt. Die Mission zeige, wie gut Europa kooperieren und auch mit US-Partnern zusammenarbeiten könne.
5.150 Kilometer Durchmesser
Der Titan wurde 1655 von dem Niederländer Christian Huygens
entdeckt, nach dem die ESA ihre Sonde benannte. Von allen Satelliten
unseres Sonnensystems ist Titan der einzige, der eine dichte
Atmosphäre besitzt. Mit 5.150 Kilometer Durchmesser ist er der
größte Mond des Saturn.
"Huygens"-Special auf der ESA-Website
Grazer Institut für WeltraumforschungÄhnelt der Erde vor vier Mrd. Jahren
Die Ergebnisse werde die Wissenschaft noch etliche Jahre beschäftigen. "Sie sind ein wichtiger Schritt für die Enträtselung unseres Sonnensystems."
Da der Titan dem Zustand der Erde in ihrer Anfangszeit vor knapp vier Mrd. Jahren ähnele, sei die Mission auch eine Zeitreise in die Vergangenheit des blauen Planeten, so Bulmahn weiter. Auf dem Trabanten sei bereits Wasser gefunden worden.
Die "Cassini-Huygens"-Mission kostete 2,5 Mrd. Euro. Sie werde nicht zuletzt auch neue Entwicklungen in der Raumfahrt nach sich ziehen.
Der Wert der gesammelten Daten wird aber erst in den kommenden Tagen und Wochen feststehen. "Das ist wie ein Puzzle - erst wenn wir alle Informationen haben, können wir daraus ein Bild zusammensetzen", erklärte Claudio Sollazzo vom "Huygens"-Team.
