Das Handy als Sprengsatz
Die Attentäter vom 11. März in Madrid [191 Tote] haben die Anleitungen für den Bau ihrer Bomben offenbar aus den USA bezogen.
Dies gehe aus Unterlagen hervor, die bei einem der mutmaßlichen Anführer der Terroristen sichergestellt worden seien, berichtete die spanische Zeitung "El Periodico de Catalunya" [Barcelona] gestern.
Der Ägypter Rabei Osman el Sayed, genannt "Mohammed der Ägypter", habe sich auf der Website einer paramilitärischen US-Organisation detaillierte technische Beschreibungen von Handy-Sprengsätzen beschafft. Diese Bilder seien bei seiner Festnahme in Italien sichergestellt worden.
Bomben dieser Art hatten die Terroristen am 11. März in vier Madrider Pendlerzügen gezündet. Ein nicht-detoniertes Handy wiederum hatte die Polizei auf die Spur der Bombenleger geführt. Damit gelang es in gut zwei Wochen, den Ablauf der Anschläge zu rekonstruieren, mehrere mutmaßliche Terroristen und deren Helfer festzunehmen und die Bombenwerkstatt aufzuspüren.
Die Terroristen hatten vergessen, eines der Handys durch einen vorherigen Kontrollanruf "scharf" zu machen.
Handy-Chipcard verriet AttentäterSeit 1996 werden Handys als Anschlagswaffen bzw. Zielerfassungsgeräte im Nahostkonflikt von beiden Seiten eingesetzt. Erst im März dieses Jahres wurde ein 11jähriger Palästinenser an der Grenze zu Israel aufgegriffen, der einen Achtkilo-Sprengsatz mit Handyzünder einschmuggeln wollte.
Auch bei dem verheerenden Anschlägen in Bali 2002 wurden Handys als Detonatoren eingesetzt.
Bei den mit Helikopter und Raketen ausgeführten Exekutionen führender Hamas-Funktionäre durch die israelische Armee waren geographische Daten aus den Handy-Netzen ausschlaggebend.
Die nicht-staatlichen US-Militias waren 1995 mit dem Bombenanschlag in Oklahoma City mit einem Schlag weltweit bekannt geworden. Dem mittlerweile hingerichtete Attentäter Timothy McVeigh wurden Verbindungen zur paramilitärischen "Michigan Militia" nachgesagt.
Michigan MilitiaWelches Gedankengut in den am rechten Rand angesiedelten Militias kursiert, läßt sich an deren Websites ablesen. Es liegt irgendwo zwischen Hurra-Patriotismus, Waffenfetischismus und genereller Paranoia. Bis 2000 hatte die jüdische Anti-Defamation-League sogar eine Arbeitsgruppe zur ständigen Beobachtung der Militia-Szene abgestellt.
Anti Defamation League
