25.11.2004

VOR GERICHT

PeopleSoft-Entscheidung verschoben

Der seit eineinhalb Jahren erbittert ausgefochtene Streit um die Übernahme des US-Softwareherstellers PeopleSoft durch dessen größeren Konkurrenten Oracle zieht sich weiter hin.

Oracle versuchte am Mittwoch vor Gericht im US-Bundesstaat Delaware, die "Giftpille" außer Kraft setzen zu lassen, mit deren Hilfe das PeopleSoft-Management die Übernahme blockieren könnte, die es als feindlich erachtet und ablehnt.

Der Richter sagte, er erwäge, eine weitere zweitägige Anhörung beider Parteien am 14. und 15. Dezember anzusetzen, bevor er eine Entscheidung treffen werde.

Daneben will Oracle eigene Kandidaten im Board des Konkurrenten platzieren, um dessen Widerstand zu brechen. Oracle teilte mit, dass auf der Hauptversammlung PeopleSofts im Frühjahr 2005 die von Oracle ins Rennen geschickten Kandidaten Duke Bristow, Roger Noall, Laurence Paul und Artur Raviv um vier der sieben Sitze im Board kandidieren werden.

Geringe Chancen für Oracle

Bereits vor Monaten hatte PeopleSoft seinen Kunden garantiert, sie erhielten das Zwei- bis Fünffache des Preises für PeopleSoft-Software zurück, wenn Oracle nach einer Übernahme die Programme nicht mehr unterstütze. Auch das sollte Oracle den Kauf vergällen.

Richter Leo Strine Jr. sagte, er wolle zuerst die Ablehnung des Übernahmeangebots durch PeopleSoft prüfen. Er verweigerte PeopleSoft allerdings seine Zustimmung zu einem Vergleich mit Aktionären, die gegen die Garantieerklärung geklagt hatten. Das könnte PeopleSoft von künftigen Schadenersatzklagen freistellen, begründete er seine Ablehnung.

Rechtsexperten hatten vor der Verhandlung die Chancen von Oracle auf einen Durchbruch auf juristischem Weg als eher gering eingestuft. Bislang hätten Richter sich äußerst selten zu einer solchen Entscheidung durchgerungen.

Bei einer Niederlage bliebe Oracle noch der Versuch, auf der PeopleSoft-Hauptversammlung im Frühjahr vier der sieben PeopleSoft-Boardmitglieder abzuwählen und durch eigene Kandidaten zu ersetzen.