Nürnberg erhält führerlose U-Bahn
In Nürnberg wird Anfang Dezember Deutschlands erste führerlose U-Bahn zu Probefahrten durch den Untergrund starten.
Auf der rund 6,1 Kilometer langen Strecke der künftigen U-Bahnlinie 3 soll die Alltagstauglichkeit der allein von Computern gelenkten Doppeltriebwagen erprobt werden, bevor sie 2006 offiziell in Dienst gestellt werden.
Seine große internationale Aufmerksamkeit verdankt das Projekt "Rubin" vor allem einem Umstand: Auf einer Teilstrecke sollen künftig führerlose und konventionell betriebe U-Bahnen gemeinsam rollen. Vor diesem heiklen Unterfangen haben bisher selbst französische Pioniere der Automatik-U-Bahn zurückgeschreckt.
Führerlos sonst nur auf eigenen Strecken
In Paris, Lyon, Rennes und Lille rollen führerlose Züge auf
Strecken abseits des konventionell betriebenen Metro-Verkehrs. Die
Kombination beider Verkehre verlangt weitaus komplexere
Sicherheitsmechanismen als im reinen Automatikverkehr, die bislang
nicht zur Verfügung standen.
Die Überwachungspolitik in der U-BahnGroße Flexibilität
"Bei Großveranstaltungen können wir innerhalb kürzester Zeit zusätzliche Züge auf die Strecke schicken. Das scheitert heute daran, dass wir so schnell keine Fahrer mobilisieren können", erläutert Rainer Müller, Technik-Chef der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg [VAG]. Die Sicherheitstechnik erlaube zudem eine weitaus geringere Zugfolge als heute. Heute können Züge mit einem minimalen Abstand von 200 Sekunden durch die Tunnel rollen, künftig werden es nur noch 100 Sekunden sein.
Das Vertrauen der Fahrgäste versucht die VAG unterdessen durch ein komplexes System miteinander vernetzter Computer zu gewinnen, die sich gegenseitig überwachen und bei einer Panne die insgesamt 16 führerlosen Triebwagen der Linie U 3 sofort stoppen.
Unter einer Plastik-Abdeckung versteckt verfügen die neuen Automatik-Triebwagen über ein Notsteuerpult. Damit sollen die Züge nicht nur manuell ins Depot zurückgefahren, sondern im Notfall auch bis zum nächsten Bahnhof chauffiert werden können.
