14.11.2004

NET-CENTRIC

Der nächste Schritt zum vernetzten Krieg

Bereits seit langem geplant, wurde nun der erste "Grundstein" für das Global Information Grid des US-Militärs gelegt, das den US-Soldaten genug Bandbreite zur Verfügung stellen soll. Erste Testläufe laufen seit rund sechs Wochen, berichtet die "New York Times".

Die Vision des US-Militärs ist es, die Streitkräfte zu vernetzen, also Informationen unter den einzelnen Soldaten und Obrigkeiten schnell austauschen, aber auch autonome Geräte und Waffen aus der Ferne lenken zu können - dazu braucht es aber ein eigenes Netz mit ausreichend Bandbreite, wie bereits das Scheitern des Net-Centric Warfare im Irak zeigte.

Kritiker zeigen sich angesichts der enormen Kosten und der zu erwartenden technologischen Hürden skeptisch. "Ich möchte sicher gehen, dass wir eine Vision und keine Halluzination realisieren", meint etwa Vint Cerf, der als Konsultent beim Pentagon tätig ist.

"Leistungsstarke Waffe"

Die Befürworter führen dagegen an, dass die vernetzten Rechner die leistungsstärkste Waffe der US-Armee sein werden. "Die wahrscheinlich einflussreichste Änderung bei unseren Streitkräfte wird kein Waffensystem sein, sondern die Dichte der Verbindungen", so US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.

Robert Stevens, Chef von Lockheed Martin, malt das Bild eines "hochsicheren Internets, in dem die Aktivitäten des Militärs und der Geheimdienste miteinander verknüpft sind". Jedes Mitglied des Militärs könne damit den Kampfplatz aus der Perspektive Gottes sehen. "Und das ist echte Kraft", so Stevens - der Netz-Aufbau wird allerdings noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen und eine Menge Geld kosten.

So sollen in den nächsten fünf Jahren alleine mindestens 24 Milliarden USD für den Aufbau des Netzes selbst anfallen, weitere fünf Milliarden sind für die notwendige Verschlüsselung vorgesehen. In rund 20 Jahren soll das Netz vollständig einsatzbereit sein.

Endloser Wettlauf

Das Pentagon schätzt die Kosten für Investitionen in die Hard- und Software des Netzes für die kommenden zehn Jahre in einem Papier auf 200 Milliarden Dollar. Allerdings dürften noch weitaus mehr Kosten anfallen, die derzeit nicht explizit angeführt werden oder für geheime Projekte ausgeben werden.

Doch auch die angeführten Investitionskosten könnten nicht genug sein. Das US-Militär braucht laut einer Studie der Rand Corporation 40 bis 50 mal mehr Bandbreite, als ihm im Irak zur Verfügung stand. Nicht sicher ist, ob das derzeit geplante Netz, diese auch ausreichend zur Verfügung stellt.

Die Armee selbst sagt in Hinsicht auf die Invasion im Irak letzten Jahres, dass es "wahrscheinlich niemals genug Ressourcen für ein komplettes und funktionierendes weltweites Netzwerk für Kommunikation, Sensoren und Systeme" geben wird.

Zumal auch die einzelnen Einheiten der Army, Navy, Air Force und Marines erst lernen müssten, diese Ressourcen und Services gemeinsam zu nutzen und vor allem zu teilen.