09.11.2004

POPULÄR

Gamer auf der Jagd nach Spiele-Dieben

Eigentlich freuen sich ja die Entwickler von Computerspielen, wenn ihre neuesten Titel besonders populär sind. Wenn die begehrtesten Games aber schon vor dem ersten Verkaufstag in illegalen Versionen im Netz kursieren, ist der Ärger groß.

"Da verbringt man drei Jahre seines Lebens für dieses Projekt, und dann greift es sich jemand und gibt es weltweit frei", klagt Brian Jarrard vom Entwickler-Studie Bungie, das das soeben fertig gestellte Microsoft-Spiel "Halo 2" produziert hat.

Dass soetwas passiert, ist längst keine Seltenheit mehr. Gerade bei den Blockbustern unter den Neuerscheinungen: Von "Halo 2" etwa tauchten schon einen Monat vor der Veröffentlichung in dieser Woche illegale Kopien des Science-Fiction-Actionspiels im Netz auf. Die französische Fassung des Spiels machte in Tauschnetzen und über Newsgroups die Runde.

Lecks meist in der Produktion

Auch beim PlayStation-Titel "Grand Theft Auto: San Andreas" gab es eine Woche vor dem Erstverkaufstag 26. Oktober eine spielbare Raubversion im Internet - ebenso Screenshots und die Bedienungsanleitung.

Und die Veröffentlichung des Ego-Shooters "Half Life 2" [16. November], wurde gleich mehrere Male verschoben, weil der Quelltext unerlaubt kopiert und in Umlauf gebracht wurde und deshalb Teile des Spieles umgeschrieben werden mussten.

Für den Diebstahl von Spiele-Software gebe es inzwischen international tätige Zusammenschlüsse, sagt Douglas Lowenstein vom amerikanischen Verband für Unterhaltungssoftware [Entertainment Software Association].

Die Experten sehen die kritische Stelle in den Produktionsfirmen selbst. Doch nachdem ein Leck einmal ausgenützt wurde, verbreiten sich die Raubkopien vor allem durch Gamer mit Jagdinstinkt, die nicht auf die offizielle Veröffentlichung warten wollen und können.

Treue Fans helfen zusammen

Doch das ist nur eine Seite der Spielerschaft und wahrscheinlich auch die kleinere. Die Spielehersteller bekommen nämlich immer mehr Zuspruch seitens der Spielergemeinde.

Viele Gamer wollen nämlich gar keine raubkopierten Vorab-Versionen eines Spiels, auf das sie schon so lange warten. So waren auch die richtigen Fans nicht unbeteiligt daran, die Verbreitung von "Halo 2" und "Half Life 2" zu verfolgen und einzudämmen.

Auf Fan-Websites sowie bei den Herstellern selbst gingen unzählige Tipps und Hinweise von treuen Spielern ein, die im Fall von "Half Life 2" sogar zu einer Verhaftung führten.