Status quo der Linux-Migration in München
Die Umstellung der Stadtverwaltung in München auf Linux-Systeme hat weltweit großes Echo - positiv wie negativ - ausgelöst.
Microsoft-Chef Steve Ballmer war vor der angekündigten Umstellung noch persönlich in München, um die Verwaltung von der MS-Abkehr abzubringen - vergeblich. Die Migration auf das Linux-System läuft derzeit und wird von anderen Stadtverwaltungen mit großem Interesse betrachtet.
Wilhelm Hoegner, Leiter des Amtes für Informations- und Datenverarbeitung der Landeshauptstadt München, war anlässlich einer Fachtagung des österreichischen Städtebundes in Wien und referierte über die Umstellung aus Praxissicht.
14.000 PCs in der Stadtverwaltung
Insgesamt verfügt die Stadt München über 14.000 PCs mit etwa
16.000 Benutzern. Bis dato kamen auf der Client-Seite ausschließlich
PCs mit Windows NT 4.0 und Microsoft Office 97 bzw. 2000 zum
Einsatz.
Linux-Umstieg in Wien und MünchenDaneben waren rund 300 Softwareprodukte im Einsatz. Neben den zentralen Anwendungen gab und gibt es 170 Fachverfahren, die mit speziellen Programmen auf der Client-Seite abgewickelt werden.
Auf der Serverseite herrschte eine bunte Produktvielfalt: Novell Netware und Suns PC-Netlink beim Fileservice, Critical Path bei E-Mail, Oracle bei Kalendern, Top-Call bei Faxlösungen und Oracle sowie Adabas für Datenbanken.
Im Zuge der Umstellung auf Linux sollen auch gemeinsame Standards eingeführt werden. Bis dato waren nicht weniger als 17 Organisationen mit eigenständiger EDV im Einsatz, es gab weder zentrale Softwareverteilung noch einen Help-Desk.
MS vs. Linux
Warum war eine Migration überhaupt notwendig? "Microsoft hat den
Vertrieb und Support der existierenden Plattform Windows NT 4.0
eingestellt", fasst Hoegner lakonisch zusammen, was viele
Firmenkunden ärgert. München stand vor der Entscheidung, auf einen
MS-Nachfolger zu setzen oder eine andere Plattform zu verwenden.
Die Migrations-Studie der Stadt München"Open Source ist nicht kostenlos"
Die Gesamtkosten für die Migration wurden im Feinkonzept auf rund 35 Millionen Euro geschätzt. Der Löwenanteil von 38 Prozent entfällt auf Schulungen, gefolgt von Einführungskosten [18 Prozent], Umstellung von Makros und Formularen [15 Prozent] und der Anwendungsmigration [zehn Prozent].
"Wir haben einige Erkenntnisse gewonnen", so Hoegner. "Erstens: Open Source ist nicht kostenlos." Darüber hinaus müsse das Projekt sowohl von politischer Führung als auch der Verwaltungsspitze gemeinsam getragen werden, um erfolgreich umgesetzt zu weden. Eine große Chance wittert München bei der Umstrukturierung darin, den Software-Wildwuchs einzudämmen und die Defizite in der IT-Infrastruktur zu bereinigen.
"Bei der Migration selbst darf der Dienstbetrieb nicht gefährdet werden", so Hoegner zum Thema Nummer eins. Generell werden von der Stadt herstellerunabhängige und webbasierte Lösungen bevorzugt. Die Umstellung erfolgt überwiegend durch eigenes Personal, die unproblematischen Bereiche werden zuerst angegangen.
Einzelne Pilotprojekte werden noch in diesem Jahr gestartet, die Hauptumstellung soll 2005 vonstatten gehen.
