Handyausgaben pro Kunde sinken
Trotz der Einführung von UMTS müssen sich die deutschen Mobilfunkanbieter nach Einschätzung von Marktforschern auf sinkende Umsätze je Kunde [ARPU] einstellen.
"Wir haben in den vergangenen Jahren den ARPU fallen sehen", sagte Jason Chapman, Telekom-Analyst beim Marktforschungsinstitut Gartner, am Donnerstag.
Dieser werde in Zukunft weiter sinken. Damit trat er Äußerungen von Deutsche-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke entgegen, der sich von der Einführung von UMTS einen höheren ARPU verspricht.
Datendienste, die derzeit rund 20 Prozent der Erlöse ausmachten, führten zwar zu einer gewissen Kompensation des Rückgangs. "Es gibt aber keine Anwendung, die die Kunden dazu bringen wird, mehr Geld pro Monat auszugeben", sagte Gartner-Experte Martin Gutberlet.
In Deutschland liege der monatliche Durchschnittsumsatz bei rund 24 Euro. "Dieser wird weiter zurückgehen." Von der Entwicklung betroffen sind vor allem die Marktführer Deutsche Telekom und Vodafone, da der ARPU auch in Großbritannien, Tschechien und Österreich erodiere, sagte Gutberlet.
Billiger telefonieren statt ExtrawürsteMehr Umsatz durch UMTS
Die Analysten widersprechen damit der Auffassung von Ricke, der am Mittwoch noch steigende Mobilfunkumsätze in Aussicht gestellt hatte.
"Die Preise werden fallen. Das heißt aber nicht, dass der ARPU sinken wird", hatte Ricke gesagt. Der ARPU werde sicher steigen, da die Kunden von Festnetztelefonie auf Mobilfunk umsteigen würden.
Die Mobilfunkanbieter versprechen sich zudem von der UMTS-Einführung eine Ausweitung ihrer Umsätze, da ihrer Meinung nach die Kunden verstärkt Multimedia-Dienste nutzen werden. Mit einer breiten Vermarktung rechnen Experten erst ab dem kommenden Jahr. "Der richtige Massenmarkt wird Weihnachten 2005 entstehen", sagte Chapman.
Nach seiner Einschätzung wird Vodafone in der Anfangszeit die Nase vorne haben. "Die pushen ihr UMTS-Geschäft mit enormem Schub." Ende 2004 wird es nach Einschätzung von Gartner 70 UMTS-Netze in Europa geben. Experten rechnen für Deutschland mit einer sechsstelligen Nutzerzahl in diesem Jahr.
