Das Scheitern des vernetzten Irak-Kriegs
Der letzte Krieg im Irak sollte für die US-Streitkräfte aufgrund neuer Technologien nicht nur zu einem vernetzten Krieg werden, sondern dadurch auch weniger gefährlich.
Durch neue Informationssammelstellen, der totalen Vernetzung der Streitkräfte und dem ständigen Datenaustausch untereinander sollten die Soldaten und ihre Befehlsgeber leichter Ziele und Gefahren erkennen und entsprechend reagieren können.
Doch laut einem Bericht des Forschungsinstituts Rand für das Pentagon, berichtet "Technology Review", hat, zumindest im Irak, die Technologie noch nicht den erhofften Nutzen gebracht. So konnte oftmals die benötigte Bandbreite für den Datenausfluss nicht im ausreichenden Maß bereitgestellt werden, andernorts kam soviel Information auf einmal zusammen, dass das Aussortieren und Bewerten fast unmöglich wurde.
Die ursprüngliche Idee ist, dass durch den Einsatz von mehr Technologie weniger Soldaten ins Feld ziehen müssen. Roboterflugzeuge und -fahrzeuge, ausgestattet mit neuen Erkennungstechnologien, sollen die Soldaten unterstützen und ihnen die benötigte Information liefern, die wiederum schnell untereinander ausgetauscht werden kann.
Der vernetzte Krieg [bleibt blutig]Zwischen alt und neu
Zumindest im Irak-Krieg scheiterte die neue Doktrin des "Vernetzten Kriegs" an manchen Stellen. So sollten bei der Land-Invasion von Kuwait aus 10.000 Fahrzeuge und 300.000 Mann die 500 Kilometer Richtung Bagdad ziehen.
Die enorme Menge an Daten, die zwischen den Entscheidungsträgern und den Feldtruppen ausgetauscht werden sollte, wurde dabei über ein auf Mikrowelle basierendes Kommunikationssystem übertragen.
Manche der dafür notwendigen Antennen mussten aber stationär betrieben werden und für die Weitergabe der Informationen musste zudem Sichtkontakt zwischen den einzelnen Stationen bestehen.
In der Realität war dies natürlich kaum exerzierbar, da die Konvois sich zu schnell bewegten und meist zu weit voneinander entfernt waren. Manche US-Militärfahrzeuge wurden genau in der Phase angegriffen, als sie bei einem Stopp versuchten, neue Daten über feindliche Positionen zu erhalten.
Ein Offizier der dritten Infanterie Division berichtete Rand, dass, sobald sich die Einheit in Bewegung setzte, sämtliche Kommunikationssysteme bis auf das GPS ausfiel. Entsprechend fuhren sie einige Stunden, hielten an, stellten die Antenne auf und loggten sich wieder in das System ein, um neue Infos zu erhalten - vorausgesetzt die Bandbreite und die Software spielten mit.
Potenziell fatale BandbreitenproblemeHorizontal statt von oben herab
Die Kommandeure in Katar und Kuwait hatten unterdessen mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Sie erhielten so viele Daten, dass sie nicht alle gleichzeitig verarbeiten konnten - manchmal mussten sie die neuen Feeds stoppen.
Bei der Weiterleitung der Infos an die Bodentruppen stolperten sie ihrerseits wiederum über das teilweise außer Funktion stehende Mikrowellensystem. So blieb manchmal nur mehr die Kommunikation über E-Mail über.
Die Verteidiger des Systems meinen, dass die Probleme nicht technologischer Natur waren, sondern an der Doktrin haperten. So sei das Vernetzen im Irak noch nicht vollständig gewesen, da es noch auf althergebrachten Kommando- und Kontrollsystemen basierte.
Die Kommandeure erhielten die notwendigen Infos und interpretierten sie, dann gaben sie die Kommandos sowie relevante Daten an die nächsten Glieder der Befehlskette weiter - dadurch seien Zeitverzögerungen entstanden und auch die Kommunikationsfehler hätten sich gehäuft. Für den vernetzten Krieg sei eine horizontale Entscheidung- und Informationsweiterleitungsebene besser, meinen sie.
