Zittern für Microsoft und EU beginnt
Am Freitag ging die Anhörung rund um die Aussetzung der EU-Sanktionen gegen Microsoft vor dem Europäischen Gerichtshof erster Instanz zu Ende. "Es wird schwierig werden", sagte Richter Bo Vesterdorf am Ende, der nun darüber entscheidet.
Bei der Anhörung brachten beide Parteien, die EU-Kommission und Softwarehersteller Microsoft, ihre bekannten Argumente für bzw. gegen die Einhaltung der Sanktionen, die unter anderem eine Windows-Version ohne Media-Player und die Offenlegung von Schnittstellen vorsehen.
Vesterdorf zeigte sich skeptisch, ob ein Windows ohne Media-Player tatsächlich den von der EU erwünschten Effekts von mehr Spielraum für Konkurrenzprodukte mit sich bringt. Sei es nicht dramatisch, eine solche Maßnahme zu verlangen, ohne zu wissen, welche Ergebnisse folgen und welche Komplikationen das mit sich bringen könnte, fragte Vesterdorf am Freitag.
Der Richter kündigte an, seine Entscheidung so schnell wie möglich zu treffen. Sollte er Microsofts Wunsch nachkommen, könnten neue Schlichtungsgespräche geführt werden.
Nächste Runde EU gegen MicrosoftSchaden für freie Entwickler
Die EU-Kommission argumentiert, dass bei zwei Windows-Versionen [eine mit und eine ohne Media-Player, aber zum selben Preis] die PC-Hersteller frei entscheiden könnte, welche Version sie installieren möchten. Damit sollen Content-Provider angeregt werden, auch für andere Medien-Formate außer dem von Microsoft zu produzieren. Vesterdorf gab den EU-Anwälten zu bedenken, dass die Entwickler dadurch aber auch mit Zusatzkosten zu rechnen hätten.
Microsoft hält dem EU-Argument entgegen, dass unabhängige Software-Entwickler und Website-Designer unter einer solchen Entscheidung zu leiden hätten, da sie nicht mehr damit rechnen könnten, dass ihre Produkte auch unter Windows funktionieren. Es gebe zudem ein öffentliches Interesse daran, die Einheit der Windows-Plattform zu behalten, so MS-Anwalt Jean-Francois Bellis.
Er argumentierte weiter, dass zudem niemand eine OS-Version ohne Media-Player haben will. Darauf sagte Vesterdorf: "Wo ist dann der Schaden? Wenn es keine Nachfrage gibt, dann kauft auch niemand das Produkt." Bellis fügte dann an, dass Microsofts Reputation darunter leiden würde.
