Filmindustrie startet Info-Kampagne
Da es der Mehrheit der Piraten nach wie vor an Unrechtsbewusstsein fehle, startet die österreichische Filmindustrie nun eine Info-Kampagne, die klarmachen soll, dass Raubkopieren kein Kavaliersdelikt ist.
Ab nächster Woche werden in den heimischen Kinos kurze Spots unter dem Motto "Raubkopierer sind Verbrecher - Mach dich nicht zum Dieb" ausgestrahlt.
Auch mit Plakaten "Kopieren - Verlieren" sollen den Raubkopierern die rechtlichen Folgen ihrer Handlungen ["Raubkopien können teuer werden"] vor Augen geführt werden.
Das kündigte der österreichische Verein für Anti-Piraterie [VAP] am Donnerstag im Wiener Urania-Kino an und zog gleichzeitig Bilanz über seine Arbeit seit der Gründung im Mai 2003.
Anti-Piraterie-Hotline
In den Plakaten und Spots wid zudem auf eine kostenlose
Anti-Piraterie-Hotline verwiesen, über die 24 Stunden täglich
Hinweise auf Urheberrechtsverletzungen entgegengenommen werden. Die
Plakat-Sujets und Videos sind derzeit leider nicht online zu sehen.
VAP-URL vap.cc [ist auf den Plakaten zu lesen, aber derzeit noch ohne Inhalt]Newsgroups und FTP-Server
Seit Mai 2003 wurden laut VAP 15.000 CDs und DVDs und sechs Server beschlagnahmt sowie 30 Gerichtsverfahren abgeschlossen. 35 weitere Verfahren sowie Ermittlungen in 40 Fällen laufen noch.
Dem gegenüber stehen geschätzte 30 Mio. Euro Schaden, die der Filmbranche im Vorjahr in Österreich entstanden sind.
Vorrangig im Visier des VAP stünden professionelle Piraten, die mit Raubkopien Geld machten, indem sie ihre Produkte auf Flohmärkten oder online via Newsgroups und FTP-Server anbieten, so Rechtsanwalt Andreas Manak, Generalsekretär des VAP.
Man gehe jedoch allen Hinweisen nach, egal in welchem Ausmaß das Urheberrecht verletzt wurde.
1.000 Euro Strafe für 17-jährigen Oberösterreicher
In einigen Fällen werden auch außergerichtliche Vergleiche
geschlossen. So im Falle des 17-jährigen Oberösterreichers, der
Filme heruntergeladen und anschließend zum Verkauf angeboten hat.
Die Einigung umfasst die Bezahlung der Gerichtskosten [1.800 Euro]
und eine Pönale von 1.000 Euro durch den Beklagten.
17-jähriger DVD-Raubkopierer angezeigtInternet-Service-Provider kritisiert
Scharfe Kritik in Richtung Breitband-Internet-Provider kam von Werner Müller vom Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie.
Werbekampagnen unter dem Motto "Wir zahlen nicht, wir laden herunter" seien extrem kontraproduktiv, so Müller. Hier werde versucht, eigene Profite zu Lasten anderer zu machen.
Auch wünscht man sich von Seiten des VAP mehr Initiative der Serverhousing-Anbieter. Derzeit würde einfach stillschweigend akzeptiert, dass über die vermieteten Server auch urheberrechtlich geschütztes Material der Film-, Musik-, Spiele- und Softwareindustrie im Internet angeboten werde, so Manak.
Razzien auf Flohmärkten
Doch nicht nur im Internet, auch auf Flohmärkte, wo seit etwa
einem Monat auch hochwertige Raubkopien aus Asien zirkulieren,
werden unter Zuhilfenahme von privaten Sicherheitswachdiensten
observiert und Razzien durchgeführt.
Piraterie-Razzia auf Wiener NaschmarktPreispolitik wird nicht verändert
Auf Frage von futurezone.ORF.at, ob man analog zur Musikindustrie die Einführung neuer Preismodelle überlege oder dem Konsumenten den Filmkauf mit anderen Angeboten wieder schmackhafter machen wolle, erklärte Müller, man arbeite international bereits an neuen Vertriebswegen.
Zudem gehe der Trend in Richtung weltweit zeitgleicher Kinostarts und einer Verkürzung des Zeitraums zwischen Kino- und DVD-Release, so Christof Papousek von der Constantin Film Holding.
Preisnachlässe seien aber nicht geplant, da die Preispolitik nach Meinung der Filmindustrie nicht ursächlich für den Piraterie-Boom sei. "Downloader wollen für ihre Filme nicht weniger, sondern gar nichts bezahlen", so Manak.
