Bürokratie bremst neue Bürgerkarte aus
Eigentlich hätte der große Rollout für die neue Bürgerkartenfunktion auf der E-Card am 2. Jänner starten sollen, doch fehlten die Unterschriften der zuständigen Stellen. Nun soll das dazu nötige qualifizierte Zertifikat ab 14. Jänner online ausgegeben werden.
Ende November hatte es bei einer großen Pressekonferenz im Bundeskanzleramt geheißen, dass ab 2. Jänner die E-Card zum elektronischen Ausweis für ein breites Spektrum an Online-Anwendungen ausgebaut werden soll.
Ein Versuch von ORF.at am 9. Jänner, das dazu notwendige neue qualifizierte Zertifkat online zu beziehen, scheiterte jedoch.
Unterschriften fehlen
Der Grund: Laut A-Trust-Geschäftsführer Michael Butz sind "noch nicht alle notwendigen Formalismen ganz durch", damit das Projekt starten könne. Nicht alle zuständigen Stellen hätten nämlich rechtzeitig ihr Okay beziehungsweise ihre Unterschrift unter die notwendigen Freigaben gesetzt, so Butz gegenüber ORF.at.
Auf die Frage, wie der Starttermin eines so großen Projekts durch fehlende Unterschriften verzögert werden könne, erklärte Butz, dass das Projekt kurzfristig und in kürzester Zeit umgesetzt worden sei.
Technisch habe bereits vor Weihnachten alles funktioniert, die Feiertage hätten dann aber die nötigen Zustimmungen der beteiligten Stellen verzögert.
Neuer Termin 14. Jänner
Als neuer Termin stehe nun offiziell der 14. Jänner fest, versicherte Butz - ab dann soll es ohne große Umstände möglich sein, online das Zertifikat für die Bürgerkarte zu bestellen.
An der Umsetzung der Bürgerkartenfunktion sind neben der A-Trust noch eine Reihe anderer Stellen beteiligt, darunter das Bundeskanzleramt, das Zentrales Melderegister [ZMR] und die Software-Firma SVC, deren technischer Leiter Volker Schörghofer übrigens auch der stellvertretende Generaldirektor des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger ist.
Alles mit einer Karte
Sektionschef Manfred Matzka vom Bundeskanzleramt hatte bei der Pressekonferenz Ende November gesagt, die neue Signatur ermögliche eine Vielzahl von Kooperationsmöglichkeiten, die dem Nutzer Erleichterungen bringen sollen.
Mit der qualifizierten Signatur soll die E-Card auch in Bereichen abseits der elektronischen Verwaltung Anwendung finden, etwa beim E-Banking, bei der Teilnahme an elektronischen Ausschreibungen und auch im privaten Bereich im Rahmen der Verschlüsselung von Dokumenten und E-Mails.
"Positive Besetzung der Bürgerkarte"
Angedacht und bereits in entsprechenden Gesprächen mit den zuständigen Stellen sei die Einbeziehung von Jugendlichen und Schülern durch spezielle, auf sie zugeschnittene Funktionen.
Auch mit Pensionistenvereinigungen würden Gespräche laufen. Eine Alterskontrolle etwa bei der Abgabe von Alkohol mittels E-Card ist laut Matzka nicht angedacht, die Bürgerkarte solle "positiv besetzt werden".
Bei entsprechender Zertifizierung könnten beim Internet-Banking die "vielen PINs und TANs" wegfallen, so Matzka. Allerdings braucht auch die Bürgerkarte zumindest zwei PINs: einen Geheimhaltungs-PIN und einen Signatur-PIN.
Vorsicht: Wer sein Zertifikat online bestellen will, sollte mit Hilfe der von der Verwaltung zur Verfügung gestellten Software auf der E-Card keinen dieser Zugangs-PINs setzen. Die Karte muss jungfräulich sein, um für die Online-Aktivierung nutzbar zu sein.
Aktuell wird man auf den dazugehörigen Websites, unter anderem der Sozialversicherung, noch ein wenig in die Irre geführt. Auch sie sollen mit 14. Jänner entsprechend aktualisiert werden.
E-Card für E-Voting?
Angesprochen auf die mögliche Verwendung der E-Card für die elektronische Wahl [E-Voting] erklärte Matzka Ende November, dass das Sache des Innenministeriums sei.
Laut Butz ist die technische Umsetzung des E-Votings "ein Klacks". Ob über eine Umsetzung des von der ÖVP schon mehrfach ins Gespräch gebrachten E-Votings oder gar schon über einen Zeitplan gesprochen werde, dazu wollte Butz gegenüber ORF.at nichts sagen.
(futurezone | Nadja Igler)
