E-Card wird zum Online-Ausweis
Mit Jänner 2008 wird die Bürgerkartenfunktion der E-Card mittels qualifizierter Signatur erweitert. Damit werden neben dem elektronischen Amtsweg auch die Nutzung der E-Card für E-Banking, elektronische Rechnungslegung und die Signierung und Verschlüsselung von Dokumenten möglich.
Bisher konnte auf die E-Card die Verwaltungssignatur aufgebracht werden, die bereits eine Verwendung als Bürgerkarte in Bereichen der Verwaltung und Sozialversicherung ermöglichte.
Mit Jänner 2008 wird sie nun durch ein qualifiziertes Zertifikat ersetzt, gaben der Verband der Sozialversicherungsträger und das Bundeskanzleramt am Freitag bekannt.
Qualifizierte Zertifikate sind europaweit einheitlich genormt und in ganz Europa anerkannt. Mit der qualifizierten Signatur soll die E-Card auch in Bereichen abseits der elektronischen Verwaltung Anwendung finden, etwa beim E-Banking, bei der Teilnahme an elektronischen Ausschreibungen und auch im privaten Bereich im Rahmen der Verschlüsselung von Dokumenten und E-Mails.
Damit wird die E-Card zum elektronischen Ausweis für alle möglichen Online-Anwendungen ausgebaut.
Voraussetzung für die Nutzung ist die E-Card samt passender Signatur. Weiters werden ein Kartenlesegerät für 15 Euro und die passende Software benötigt, die für Windows, Mac und Linux verfügbar ist.
100.000 neue Nutzer 2008
Laut Sektionschef Manfred Matzka vom Bundeskanzleramt ermöglicht die neue Signatur eine Vielzahl von Kooperationsmöglichkeiten, die dem Nutzer Erleichterungen bringen sollen. So könnten bei entsprechender Zertifizierung beim Internet-Banking die "vielen PINs und TANs" wegfallen. Die Bürgerkarte werde "billiger, schneller und besser" Informationen bringen.
Aktuell sei ein sechsstelliger Betrag an Bürgerkarten in Umlauf, "viel zu niedrig" für Matzkas Geschmack. Mit der Umgestaltung und der Vereinfachung sowie laufend neuen Anwendungsmöglichkeiten soll die Bürgerkarte seiner Meinung nach an Attraktivität für die Nutzer zulegen. 100.000 neue Nutzer 2008 sind das Ziel.
"Positive Besetzung" der Bürgerkarte
"Sie werden noch kommen und darum betteln, die Bürgerkartenfunktion integrieren zu können", sagte Matzka mit Hinweis auf die erweiterten Funktionen und die bisher schleppende Nutzung.
Angedacht und bereits in entsprechenden Gesprächen mit den zuständigen Stellen sei die Einbeziehung von Jugendlichen und Schülern durch spezielle, auf sie zugeschnittene Funktionen. Auch mit Pensionistenvereinigungen würden Gespräche laufen. Eine Alterskontrolle etwa bei der Abgabe von Alkohol mittels E-Card ist laut Matzka nicht angedacht, die Bürgerkarte solle "positiv besetzt werden".
Angesprochen auf die mögliche Verwendung der E-Card für die elektronische Wahl [E-Voting] sagte er, dass das Sache des Innenministeriums sei.
Beantragen kann man die neue Signatur ab 2. Jänner online und in den Außenstellen der Sozialversicherungsträger. Bei der Online-Anmeldung wird der Aktivierungscode per RSA-Brief zugesendet, mit dem dann die Bürgerkartenfunktion aktiviert werden kann.
An der Usability wird gearbeitet
Bei der Präsentation der möglichen Anwendungen durch den stellvertretenden Generaldirektor des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, Volker Schörghofer, gab es einige technische Schwierigkeiten, die Schörghofer auf den Vorführeffekt zurückführte.
So funktionierte die Anmeldung bei den Online-Anwendungen der Sozialversicherung erst nach mehrmaligen Versuchen. Schörghofer bemühte sich zu versichern, dass an der Nutzerfreundlichkeit laufend gearbeitet werde.
Vom Strafregister bis zur Verschlüsselung
Auch der Installationsprozess werde laufend verbessert. Für allfällige Probleme werde es aber eine Hotline geben - jene, bei der auch schon die Ärzte derzeit Rat und Hilfe suchen.
Als Anwendungen wurde bei der Präsentation unter anderem ein Auszug aus dem Strafregister beantragt, ein Leistungsnachweis für angefallene Gesundheitskosten erstellt und eine Abfrage des aktuellen Versicherungsstatus durchgeführt.
Möglich ist auch die Verschlüsselung von Daten sowie die Signierung von PDFs und E-Mails mit dem persönlichen Zertifikat. Schörghofer wünschte sich in dem Zusammenhang mehr Unterstützung vonseiten der Wirtschaft: "Das sollte in Windows und Office gleich von Haus aus mit drin sein."
Die Kosten, etwa für den Strafregisterauszug, sind dabei gleich hoch wie bei einem persönlichen Besuch auf dem Amt. Kommen soll auch die kostenlose Abfrage des eigenen Pensionskontos.
"Sauber und absolut sicher"
WGKK-Obmann Franz Bittner sagte, die Bürgerkarte sei etwa im Vergleich zu einer Bankomatkarte eine "saubere und absolut sichere Schlüsselkarte", auf der keine Daten gespeichert seien. Die Möglichkeit des Missbrauchs sei dadurch sehr eingeschränkt, versuchte Bittner Datenschutzbedenken zu entkräften.
Die Entwicklungskosten der Bürgerkarte bezifferte er mit zwei Millionen Euro. Es soll dafür im Gegenzug auch Einsparungen geben, vor allem im Bereich der Verwaltung, etwa durch die elektronische Zustellung, die wie ein webbasierter Briefkasten funktioniert.
Einsparungen erhofft
"Ein Beispiel: Die Versendung der Information der Versicherten kostet 3,5 Millionen Euro. Wenn morgen jeder zertifiziert wäre, würde das ein Einsparvolumen von rund zwei Millionen Euro bedeuten, vor allem wenn man an die Papierkosten denkt, die man sich nachher ersparen könnte", so Bittner.
Wirklich messbar wären Einsparungen aber nur, wenn alle umgestellt wären, sagte Matzka, angesprochen auf einen Zeitrahmen für eine mögliche Amortisierung der Investitionen.
Die Software-Module werden, sofern nicht explizit anders angegeben, vom Bundeskanzleramt, dem Zentrum für Sichere Informationstechnologie und der Technischen Universität Graz sowie Organisationen der öffentlichen Verwaltung und der Privatwirtschaft kostenfrei zur Verfügung gestellt.
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(futurezone | APA)
