Neues Ungemach für deutsche Lkw-Maut
Die deutsche Maut-Firma Toll Collect ist offenbar beim Landkarten-Klau im Internet erwischt worden.
Wie die deutsche "Welt am Sonntag" und "Focus" berichten, hat das Berliner Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen Toll Collect erlassen, nachdem das Unternehmen Anfang Mai Landkarten aus dem Online-Dienst "stadtplandienst.de" heruntergeladen hatte.
Es erscheine "plausibel", dass die "hier verwendeten Daten im Zusammenhang mit der Einrichtung eines Autobahnmautsystems verwendet wurden", zitiert die "WamS" aus der Gerichtsentscheidung. Die Urheberrechte an den Landkarten gehören der Berliner Euro Cities AG, die "stadtplandienst.de" betreibt.
Der Mautbetreiber bestreitet allerdings beiden Berichten zufolge die Vorwürfe und will im Herbst vor dem Kammergericht Berlin in die Berufung gehen.
Der Anbieter "stadtplandienst.de" hat den Rechner von Toll Collect den Angaben zufolge über dessen IP-Adresse identifizert. Euro Cities beziffert den Wert des Materials auf mehr als 500.000 Euro. Der "WamS" zufolge droht Toll Collect ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro, sollte das Unternehmen die Karten nutzen und nicht von seinen Rechnern löschen.
Geringeres Interesse an MautgerätenMassentest mit Pannen
Toll Collect habe seine eigene digitale Karte für das geplante Lkw-Mautsystem entwickelt, sagte ein Firmensprecher der "WamS". "Im übrigen benötigen wir keine Stadtpläne und keine Deutschlandkarten. Wir brauchen nur die Autobahnen", fügte er hinzu.
Ein erster Massentest hat das das System laut "Spiegel" bereits absolviert. Eine Ausfallquote von drei Prozent sei ein "äußerst erfolgreiches Ergebnis", so Toll-Collect-Geschäftsführer Christoph Bellmer. Allerdings kam es auch zu Pannen, so fiel das System eine Stunde lang komplett aus.
Probleme gibt es möglicherweise noch bei der Bereitstellung der so genannten On Board Units [OBU], den Bordgeräten für Lkws. Der deutsche Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung riet zu einer Verschiebung der Maut-Einführung um zwei bis drei Monate, um einen Einbaurückstand aufzuholen.
Trotz allem gehen sowohl Betreiber als auch das deutsche Verkehrsministerium weiterhin von einem Start am 1. Jänner 2005 aus.
