Open-Source-Software ist allgegenwärtig
Open-Source-Software [OSS] ist inzwischen praktisch allgegenwärtig - aber kaum einer weiß oder merkt es.
Um das zu verdeutlichen, stellt der Verleger Tim O'Reilly seinem Publikum auf Konferenzen gerne die Frage, wer denn von den Anwesenden das Betriebssystem Linux nutzt.
Meist melden sich höchstens zehn Prozent. Wenn O'Reilly dann fragt, wer Google nutzt, sagt kaum einer Nein. Und O'Reilly verweist dann darauf, dass beispielsweise die Computer der Suchmaschine Google unter Linux laufen.
"Die meisten denken, das, was man nutzt, ist das, was in dem Computer vor einem drin ist", sagt O'Reilly. "Den grundsätzlichen Wandel hat die Industrie noch gar nicht verstanden."
Mit der Open-Source-Software Apache laufen mehr als 70 Prozent der Web-Server und der größte Teil des E-Mail-Verkehrs wird mit Sendmail weitergeleitet. Viele kommerzielle Firmen, so auch Microsoft, nutzen in ihren Produkten OSS-Entwicklungen.
Apache bedient zwei Drittel der DomainsAkademische Wurzeln
Linux ist sicher das bekannteste Produkt der Open-Source-Szene. Das Betriebssystem, eine Entwicklung des damaligen Studenten Linus Torvalds, hat inzwischen einen Großteil des Marktanteils übernommen, den früher Unix-Betriebssysteme im Server-Bereich hatten.
Im Server-Bereich wird Linux mittlerweile durch Branchengrößen wie IBM und Hewlett-Packard vermarktet. Aber auch auf Desktop-Rechnern, besonders in Firmen und Behörden, ist Linux unaufhaltsam auf dem Vormarsch.
Wie Linux hat auch das Apache-Projekt seine Wurzeln in akademischen Kreisen. Es entstand um 1995 aus der Sorge heraus, dass eine Firma den Web-Browser und die Web-Server-Software kontrollieren könnte.
Diese hieß Netscape und hatte gerade die führenden Forscher der Universität von Illinois abgeworben, die den ersten Browser, Mosaic, entwickelt hatten.
Browser-Urgestein wird zehn Jahre altApache aus Patches
Die erste Server-Software hatte die Universität aber freigegeben. Acht der ersten Webmaster begannen eine E-Mail-Diskussionsgruppe und teilten ihre Änderungen [Patches] untereinander. Die Gruppe nannte ihre Projekt nach dem Indianerstamm Apache - ein Wortspiel, weil das Programm im Prinzip aus den Patches der Mitglieder besteht.
"Wir waren der Überzeugung, dass man mit einer wirklich freizügigen Lizenz das größtmögliche Publikum bekommt", sagt Brian Behlendorf, einer der Gründer von Apache. So entstehe eine große Gruppe von Leuten, die auch daran interessiert seien, wieder etwas zurückzugeben. "Es ist sicher sehr idealistisch, aber es funktioniert", sagt Behlendorf.
Der Erfolg zwang die Apache-Mitarbeiter, 1999 eine Stiftung ins Leben zu rufen, die heute mehr als 20 Projekte unterstützt.
Auch Sendmail sei durch die freizügige Lizenz offen für Experimente und Neuerungen, sagt Greg Olson, Mitgründer und Chef von Sendmail. Dazu gehören auch neue E-Mail-Standards im Kampf gegen Spam. Hier arbeitet Sendmail bereits eng mit Firmen wie Yahoo und Microsoft zusammen.
MS kooperiert bei Spam-BekämpfungKein politischer Anspruch
"Ganz ehrlich, wir haben keinen politischen Anspruch, die Welt in Richtung Open Source zu verändern", sagt Olson. "Wir glauben, dass sie nützlich ist. Es ist vielleicht der beste Weg, um Neuerungen voranzutreiben. Und es ist ein sehr guter Weg, um Standards zu entwickeln."
