Aktionärsschützer reichen Beschwerde ein
Wegen ihrer Ansicht nach schleppender Ermittlungen gegen die Deutsche Telekom [DT] hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz [DSW] eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Bonner Staatsanwaltschaft eingereicht.
"Vor viereinhalb Jahren wurden das Verfahren wegen Falschbilanzierung eingeleitet, auf Ergebnisse warten wir immer noch", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker am Dienstag.
Der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, Fred Apostel, nannte den Vorwurf schleppender Bearbeitung "abwegig". Ihm sei bekannt, mit welcher Intensität die Staatsanwälte sich mit dem Vorgang beschäftigten, der einen "unglaublichen Berg von Arbeit" darstelle.
Bei den Ermittlungen geht es um angeblich in der Eröffnungsbilanz aus dem Jahr 1995 zu hoch angesetzte Werte für den Immobilienbesitz der DT. Der Telefonkonzern hatte Wert von Grundstücken und Gebäuden im Jahr 2001 um insgesamt 2,9 Mrd. Euro nach unten korrigiert.
DT-Aktionäre erhalten FristverlängerungKein Abschluss in Sicht
Hocker erklärte, ein Abschluss des Ermittlungsverfahrens in nächster Zukunft scheine nicht wahrscheinlich. Die Bonner Ermittler hätten verlauten lassen, dass eventuell ein weiteres Gutachten zur Bewertung der Immobilienbestände notwendig sei. "Damit würden wieder ein bis zwei Jahre ins Land gehen", meint Hocker.
Teuer werden könne das für Anleger, die DT-Aktien im Rahmen des dritten Börsengangs im Sommer 2000 erworben haben und eine Prospekthaftungsklage gegen die DT anstrengten, erklärte Hocker. "Ohne weitere Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft wird der Beweis, dass der Prospekt falsch war, nur schwer zu führen sein."
Getroffen würden auch jene DT-Aktionäre, die zunächst ein Schlichtungsverfahren eingeleitet hätten. Damit sei zwar die Verjährungsfrist aufgeschoben, doch jetzt laufe für viele dieser Anleger ebenfalls die Zeit ab. Solange die Staatsanwaltschaft keine neuen Erkenntnisse bringe, könne man wegen des nach wie vor hohen Prozessrisikos nur Anlegern mit Rechtsschutzversicherung zu einer Klage raten, erklärte Hocker.
