Schlacht um digitalen Musikmarkt eröffnet
Für lange Zeit schienen die Pfründe im digitalen Musikmarkt weit reichend geklärt zu sein.
Frühstarter Apple feierte einen Erfolg nach dem anderen. Neben über 100 Millionen in seinem Musik-Shop iTunes verkauften Songs, geht auch der dazupassende Festplatten-Player iPod weg wie die warmen Semmeln.
Seit dieser Woche allerdings gibt es erstmals Wolken auf dem bis dahin heiteren digitalen Musikmarkt, seitdem RealNetworks angekündigt hat, Apples Digital Rights Management System [DRM] Fairplay mit seiner Software Harmony durch Reverse Engineering geknackt zu haben.
Damit ist [nicht nur] der iPod auch für Songs aus Reals Musik-Shop offen und bringt neben seinem Kult-Status keine Vorteile mehr für seinen Hersteller. Bis dato ließen sich nur kopiergeschützte Songs aus Apples iTunes-Shop [AAC] darauf abspielen [neben weiteren Formaten wie MP3, Audible oder WAV].
Im Gegensatz zu den anderen Herstellern hat Apple bisher eine Lizenzierung seiner iPod-Technologie verweigert, um so seine Marktführerschaft bei mobilen Musik-Playern und Online-Musik zu verteidigen.
RealNetworks knackt iPod-TechnologieInkompatible DRMs
Dem Konflikt zugrunde liegt das Pochen der Musiklabels auf eine technologische Absicherung ihrer Musik vor unerlaubtem Zugriff oder Weitergabe.
Die dafür eingesetzten Digital Rights Management Systeme wurden von Firmen wie Apple, Real und Microsoft unabhängig und gleichzeitig inkompatibel zueinander entwickelt. Das bedeutete bis dato, dass kopiergeschützte Songs aus anderen Musikstores auf iPods nicht abspielbar waren.
Zwar verteidigt Real-Sprecher Matt Graves das Vorgehen seiner Firma damit, dass Harmony Apple auch zu mehr iPod-Verkäufen verhelfen werde. Doch so einfach dürfte die Rechnung wohl nicht aufgehen.
Würde Apple seine DRM-Technologie lizenzieren, könnten auch andere Hersteller diese nutzen - ein Schritt, den Apple bis jetzt verweigert hat. Denn Apples iTunes [mit einem Marktanteil von 70 Prozent laut Apple] lebt gut vom Absatz des iPods - und umgekehrt.
Harmony könnte dieses Zusammenspiel also durchaus unharmonisch stören und damit Apple seine Marktführerschaft kosten.
Apple erteilte Real bereits vor ein paar Monaten eine Absage, als Real eine Zusammenarbeit gegen Microsoft und eine Lizenzierung von Fairplay für RealNetworks vorschlug.
Apple erteilt RealNetworks eine AbsageGerichtliche Klärung
Im Fall einer Klage nach dem US-Copyright-Gesetz Digital Millennium Copyright Act [DMCA] könnte Reals Taktik durchaus erlaubt sein, meinen Experten. Denn Real habe Apples Technologie nicht für den Zweck des unerlaubten Kopierens bearbeitet, sondern um seine eigene Musik kompatibel zu machen.
Diese Art des Reverse Engineering sei in den USA Gang und gebe und erlaubt, solange kein urheberrechtlich geschützter Quellcode dazu verwendet wird, so die Anwälte.
Doch der iPod kommt mit einer Lizenzvereinbarung, der Reverse Engineering untersagt. Würde Apple nach dem üblichen Copyright-Gesetzen klagen, sehen die Anwälte bessere Chancen für den Hersteller.
Auch Real ist sich dieser drohenden Gefahren durchaus bewusst. In einer Stellungnahme meint der Hersteller, dass besonders darauf geachtet wurde, bei der Erstellung Harmonys innerhalb der gesetzlichen Grenzen zu bleiben.
Das DMCA sei nicht darauf ausgelegt, neue Methoden zum Schutz von Content zu blockieren und erlaube explizit die Schaffung von interoperatibler Software. Harmony folge einem oftmals und völlig legalen Pfad zur Erreichung von Kompatibilität, so wie die ersten IBM-kompatiblen Rechner von Compaq [nun HP], so Real.
Apple wirft Real Hackermethoden vor
