08.07.2004

DEUTSCHLAND

Metro-Testcenter für Funkchips eröffnet

Der deutsche Metro-Konzern hat nun ein erstes "RFID Innovation Center", ein Funkchip-Versuchszentrum für die Industrie, eröffnet.

Handelspartner des Konzerns können sich ab sofort auf 1.300 Quadratmeter Gesamtfläche im Lager in Neuss [Nordrhein-Westfalen] mit der Technologie vertraut machen und die benötigte Hard- und Software unter realistischen Bedingungen testen.

In knapp vier Monaten will Metro schließlich, trotz Protesten von Seiten der Datenschützer, in Deutschland seine Warenlogistik mit den "intelligenten Etiketten" auf Paletten und Transportverpackungen beschleunigen.

Kühlschränke erledigen Einkauf

Die briefmarkengroßen RFID-Chips [Radio Frequency Identification] enthalten einen 30-stelligen Code, der über eine Datenbank Aufschluss über alle Produktinformationen wie Preis, Inhalt, Haltbarkeitsdatum und Gewicht eines Artikels liefert. Das System funktioniert dabei je nach Umständen auf einige Meter Entfernung.

In den fünf Bereichen des Testzentrums werden verschiedene Einkaufssituationen simuliert, so etwa ein Lebensmittelmarkt und ein Bekleidungsshop, welche die RFID-Anwendung vom Regal über die Umkleidekabine bis zur Kasse zeigt.

Auch die komplette Supply Chain, von der Warenannahme im Lager bis zur Kommissionierung, wird nachgestellt. Im Bereich Home Shopping werden die Anwendungsmöglichkeiten für Funkchips bei intelligenten Kühl- und Gefrierschränken demonstriert.

Personalisiertes Werbespektakel

Während sich der Handel vor allem auf die Beschleunigung und Einsparungen in der Logistik freut, kommt auf den Kunden in Zukunft ein personalisiertes Einkaufs- oder eher Werbeerlebnis zu.

Schon der Einkaufswagen kann einen anhand einer Kundenkarte identifizieren, persönlich begrüßen und etwa an vergangenenen Einkäufen orientierend Kauftipps zu Sonderangeboten oder neuen Artikeln geben.

Nimmt man einen Artikel aus einem Regal können auf einem Display oder am Boden erneut auf den Typ zugeschnittene Werbebotschaften eingeblendet werden.

Die Obst- und Gemüse-Waage erkennt die darauf gelegte Frucht mit Hilfe einer Kamera und druckt das passende RFID-Etikett aus.

Auch die Umkleidekabine erkennt natürlich das mitgenommene Kleidungsstück und gibt an einem Display weitere Informationen zum Artikel. Geht der Kunde auf einen Spiegel zu, verpasst einem auch dieser automatisch eine virtuelle Beratung.

"Deactivator" gegen Datenschutz-Kritik

Nach der bargeldlosen Bezahlung an der Kasse kann der Kunde schließlich zum Gegenmittel greifen und die Ware wieder "verdummen", indem er die einzelnen Produkte an einen "Deactivator" hält.

Dieser deaktiviert den Chip [überschreibt die gespeicherten Informationen mit Nullen] und soll so die mögliche Nachverfolgung einzelner Packungen unmöglich machen.

Damit möchte Metro die Bedenken der Datenschützer zerstreuen, die kritisieren, dass durch die Anbringung von RFID-Chips direkt an der Ware die Kunden und deren Konsumverhalten überwacht werden kann.

Sie fordern eine Kennzeichnungspflicht für Produkte mit Chip, sowie das Recht des Käufers, die darin gespeicherten Informationen einsehen und deaktivieren zu können.