IT-Haus S&T will in Russland zukaufen
Der börsenotierte Wiener IT-Dienstleister S&T System Integration will am Boom des russischen IT-Marktes teilhaben und sucht derzeit intensiv nach einem möglichen Übernahmekandidaten.
"Ein 50-Mann-Team könnten wir dort schon verkraften", so S&T-Chef Karl Tantscher. Russland sei noch vor Polen der größte IT-Markt in Osteuropa.
Die S&T-Mannschaft in Moskau und der neu gegründeten Niederlassung in St. Petersburg soll heuer von 50 auf etwa 60 aufgestockt werden. Die Möglichkeit, organisch zu wachsen, sei aber naturgemäß begrenzt, erklärte Tantscher.
Daher verhandle man intensiv mit russischen IT-Firmen über eine Übernahme, aber "ich habe heute noch keine Firma, wo wir sagen könnten: Wir sind schon soweit", so Tantscher.
Das schlechte Ergebnis des vergangenen Jahres führt Tantscher fast zur Gänze auf die schlechte Geschäftsentwicklung in der Türkei wegen der politischen Unsicherheit und des Irak-Krieges zurück. Man habe die Notbremse gezogen und den Personalstand in der türkischen Niederlassung von rund 90 auf unter 20 Leute reduziert. Der Firmenwert sei um 1,9 Mio. Euro fast auf Null abgeschrieben worden.
S&T hofft auf "nachhaltige Trendwende"Gute Ausbildung
Zwar sei der russische IT-Markt derzeit mit einem Volumen von rund sechs Mrd. Euro nicht größer als der österreichische, aber er wachse mit jährlich rund 15 Prozent wesentlich schneller, so Tantscher weiter.
Ein wichtiges Plus sieht Tantscher in den technisch gut ausgebildeten IT-Arbeitskräften, besonders in den Bereichen Security und Kryptographie. Einen Mangel gebe es aber bei der wirtschaftlichen Ausbildung. Es sei schwer, in Russland einen geeigneten Geschäftsführer zu finden - denn die meisten Leute mit entsprechender Eignung hätten bereits eigene Unternehmen.
Die Verwaltungsabläufe stellen nach Ansicht des S&T-Chefs kein gravierendes Problem mehr da. Vor allem bei der Steuergesetzgebung sei sehr viel verbessert worden. Insgesamt sei die Administration aber nach wie vor langsam, etwa bei den Zollformalitäten.
Man greife daher für die Abwicklung von Importen auf die Dienste spezialisierter Firmen zurück. Ob diese Firmen für ihre Dienstleistungen auf alte Seilschaften und Kontakte zurückgreifen oder sogar "schmieren" müssen, sei ihm letztlich egal, so Tantscher.
Tschechien als IT-Vorreiter
