Tschechien als IT-Vorreiter
Heute treten zehn neue Länder der EU bei. Was das für den IT-Markt bedeutet, lässt sich nicht nur durch Studien festnageln:
"Operativ wurde die Osterweiterung bereits vollzogen, der Beitritt mit dem 1. Mai hat da vor allem symbolhaften Charakter", fasst es Karl Tantscher, CEO des Systemintegrators S&T, im Gespräch mit futurezone.ORF.at zusammen.
S&T ist operativ in den meisten der östlichen Länder tätig und errichtet dort Netzwerke, Speichersysteme und andere IT-Lösungen für Großunternehmen. Das österreichische Unternehmen ist in Frankfurt börsennotiert.
"Generell ist die IT-Wirtschaft im Osten sehr positiv gegenüber dem EU-Beitritt eingestellt. Sie erwarten mehr Direktinvestitionen aus dem Ausland", so Tantscher weiter.
8,6 Mrd. Euro IT-Ausgaben
Laut dem Beratungsunternehmen IDC wird der Markt für
Informations- und Telekommunikationstechnologie in den zehn
EU-Beitrittsländern je nach Land in den nächsten Jahren zwischen
acht und 15 Prozent wachsen. 2003 beliefen sich alleine die
IT-Ausgaben der Beitrittsländer auf 10,6 Mrd. USD [8,61 Mrd. Euro].
IT-Wachstum in EU-BeitrittsländernAufholbedarf in Bulgarien und Rumänien
Spitzenreiter in Bezug auf das Bruttonationalprodukt [BNP] ist dabei Tschechien, das mit einem IT-Anteil von 3,5 Prozent nur knapp unter dem EU-Durchschnitt von 3,7 Prozent liegt. Damit führt das Beitrittsland vor Österreich, wo 2,8 Prozent des BNP durch den IT-Markt generiert werden.
Den höchsten Aufholbedarf haben Bulgarien und Rumänien, wo die Prozentsätze bei 1,8 bzw. 1,4 liegen. Polen hält bei 2,1, Lettland und Ungarn bei 2,6 respektive 2,7 Prozent.
Seit 1993 im Osten aktiv
S&T selbst setzt bei seiner Expansion ausschließlich auf lokales
Personal. Vom Geschäftsführer abwärts würden Leute aus dem
jeweiligen Land eingestellt, da diese mit den lokalen Gegebenheiten
am besten vertraut seien, so Tantscher. Mittelfristig plant das
IT-Unternehmen, das bereits seit 1993 im Osten aktiv ist, eine
Ausweitung des Gesamtumsatzes von 200 auf 500 Millionen Euro.
S&T hofft auf "nachhaltige Trendwende"S&T-Chef Tantscher lobt die IT-Anstrengungen der einzelnen Länder. "In Slowenien liegt die Internet-Penetration der Privathaushalte beinahe auf dem Niveau von Österreich." In Estland hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, jedem Bürger einen Internet-Anschluss zumindest in Reichweite einer Fahrradfahrt zu bieten.
Generell seien derzeit vor allem Lösungen aus dem Speicher-, Netzwerk- und Security-Bereich gefragt.
Wo es noch mangelt, sind etwa grenzüberschreitende Backbone-Verbindungen. Internationale Telekoms arbeiten jedoch bereits mit Hochdruck daran, die östlichen Länder an die Hauptverkehrsknoten des Internets anzubinden.
