Langes Warten auf Breitbandanschluss
Wer hierzulande einen neuen Internet-Anschluss bestellt, darf es nicht eilig haben. Die Herstellung eines entbündelten Breitbandzugangs kann drei bis vier Wochen dauern. Die alternativen Betreiber beklagen die Abhängigkeit von der Telekom Austria und fordern schnellere Herstellungszeiten.
Bei der Anmeldung eines entbündelten Internet-Anschlusses müssen sich österreichische Kunden in Geduld üben. Der Wiener Internet-Service-Provider Silver Server hat am Montag eine Offensive gestartet, mit der die üblichen Wartezeiten überbrückt werden soll - mit Hilfe von mobilem Breitband.
TA hat 15 Werktage Zeit
Warum dauert es aber überhaupt so lange, bis ein entbündelter Anschluss Realität wird? Bei der Entbündelung nutzen die alternativen Provider die Kupferleitungen der Telekom Austria [TA], die bis zu den Endanwendern gehen, im nächst gelegenen Wählamt wird dann in das Netz des Providers "umgeleitet".
Das heißt, bei der Herstellung eines solchen Zugangs, muss die TA aktiv mitwirken. Dafür hat der Ex-Monopolist 15 Werktage Zeit, wie von der Telekom-Regulierungsbehörde RTR festgelegt wurde. Eine Zeitspanne, die nicht nur für Kunden, sondern auch für die alternativen Betreiber ziemlich lange scheint.
Alternative forden schnelleren Zugang
"Es müsste doch möglich sein, dass das reduziert wird", sagte Pressesprecher Bert Estl am Montag im Gespräch mit ORF.at. Auch bei Tele2 wird eine Verkürzung der Entbündelungszeit gefordert: "Eine drastische Senkung der Herstellungszeit wäre sowohl im Sinne des Konsumenten als auch im Sinne des Wettbewerbs", so Unternehmenssprecher Jörg Wollmann auf Anfrage.
Das erklärte Ziel der Alternativen betrage dabei sechs Werktage. Wollmann kritisiert auch, dass die organisatorische Abwicklung der Entbündelung zu kompliziert und manuell sei.
Mit "Silver:Express", das sich an Business-Kunden richtet, simuliert der Anbieter nun den entstehenden Anschluss: Der Kunde erhält binnen eines Werktages nach Bestellung einen vorkonfigurierten Router, der mit einem SIM-Kartenmodul ausgestattet ist.
ISPA kritisiert RTR
Auch Kurt Einzinger, Generalsekretär des Verbands der heimischen Internet-Provider [ISPA], ist dieser Meinung: "Wir bemängeln schon seit Jahren, dass die TA die Entbündler sowohl bei der Leitungsherstellung als auch bei der Entstörung hängen lässt." Es sei nicht einsehbar, warum die Abwicklung so lange dauert. Außerdem lege der Regulator zu wenige Nachdruck auf solche Fragen.
RTR wirft den Ball zurück
Auf Anfrage bei der Telekom Austria erklärte eine Sprecherin am Dienstag lediglich, "dass sich Telekom Austria an die vorgegebenen gesetzlichen bzw. vertraglichen Fristen hält".
Und die RTR gibt sich zurückhaltend, was die von ihr verordneten Fristen betrifft und sieht offensichtlich keinen Handlungsbedarf. "Wenn ein Entbündelungspartner die Herstellungszeiten zu thematisieren wünscht, müsste die Frage zum Gegenstand eines allfälligen Verfahrens vor der Regulierungsbehörde gemacht werden", so die Stellungnahme.
Während Tele2 und Silver Server auf zwei bis drei Wochen Wartezeit für die Errichtung eines Anschlusses verweisen, spricht man bei Inode von fünf Werktagen. Beim von der TA unabhängigen Kabel-Internet wie von Chello angeboten, dauert es laut UPC-Pressesprecherin Doris Lenhardt "grundsätzlich wenige Tage, wenn bereits ein aktiver Telekabel-Dienst [TV oder Telefon] genutzt" werde. Länger als zwei Wochen dauere es aber nicht.
Gewinner: Mobiles Breitband
Die langen Wartezeiten dürften mit ein Grund für den jüngsten Boom beim mobilen Breitband sein. Tele2-Sprecher Wollman dazu: "Shop and go heißt der Vorteil des mobilen Internets zum leitungsgebundenen Angebot."
Nachdem die heimischen Mobilfunkbetreibern den Internet-Service-Providern gehörig ins Gehege gekommen waren, hat zuletzt auch Silver Server ein mobiles Breitbandprodukt über das T-Mobile-Netz angeboten.
Auch bei UPC, unter deren Dach Inode und Chello vereint sind, ist ein mobiles Angebot im Gespräch. "Wir haben eine Kooperation angedacht", so Pressesprecherin Doris Lenhardt zu ORF.at.
Tele2 überlegt laut Wollman nach dem Ende als virtueller Mobilfunker alternative Kooperationen - der Fokus bleibe aber auf dem leitungsgebundenen Geschäft. "Mittelfristig wird sich dieser Hype auch wieder beruhigen", kommentierte Wollman den Trend, "die Ergebnisse halten die Versprechen nicht annähernd."
Mit Verbindungsgeschwindigkeiten bis zu 7,2 MBit bewerben manche Mobilfunker ihr mobiles Internet - allein, es bleibt meist ein Versprechen, wie ein Test der Arbeiterkammer [AK] kürzlich zeigte.
(futurezone | Nayla Haddad)
