Wikipedia geht gegen Vandalismus vor

23.09.2007

Die deutschsprachige Version der Wikipedia will verlässlicher werden. In der Standardansicht der Online-Enzyklopädie sollen nur noch Artikel aufscheinen, die von erfahrenen Autoren als frei von Verunstaltungen gekennzeichnet werden.

Der Test des neuen Markierungssystems soll in den nächsten Tagen starten, teilte Wikimedia Deutschland am Sonntag mit. Es sieht vor, den Lesern mithilfe von Markierungen deutlich zu machen, ob ein Artikel frei von Unsinn oder falschen Darstellungen ist.

Die neue Funktion werde voraussichtlich im November in das deutsche Hauptportal integriert, sagte Wikimedia-Vorstandsmitglied Philipp Birken. Ob anderssprachige Versionen der Wikipedia folgen, sei noch unklar.

Wie viele Autoren Artikel markieren können, steht noch nicht fest. In Frage kommen Nutzer, die häufig Einträge bearbeiten oder verfassen.

Das Markierungssystem wurde von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales bereits im August angekündigt. Die "vertrauenswürdigen" Wikipedia-Autoren, hieß es, sollen von einer Software ausgewählt werden, die an der University of California entwickelt wurde.

Die Software vergibt an registrierte Autoren der Online-Enzyklopädie auf Basis der von ihnen verfassten Einträge und Änderungen Punkte. Je weniger an den Einträgen der Autoren verändert wird, desto mehr Punkte sollen sie erhalten, berichtete das Magazin "New Scientist".

"Verlässlichkeit erhöhen"

Wikipedia-Nutzer sollen die nicht gekennzeichneten Versionen aber weiterhin lesen und bearbeiten können, hieß es. "Ziel ist es, die Verlässlichkeit und Qualität der Texte zu erhöhen", so Birken.

Bisher können alle Nutzer Artikel bearbeiten, die Änderungen sind soforft sichtbar. Dies führte immer wieder zu Manipulationen und Vandalismus. "Die meisten dieser Einträge werden in weniger als einer Minute von anderen Mitarbeitern rückgängig gemacht, aber dann können schon Tausende Leser den Artikel gesehen haben", erklärte Birken das Problem.

Zwei Arten von Markierungen

Laut Wikimedia Deutschland soll es künftig zwei Arten von Markierungen geben. Eine Markierung als " gesichtete Version " soll anzeigen, dass eine Artikelversion frei von "Schmierereien" ist. Als " geprüfte Versionen " werden Artikelversionen bezeichnet, die keine falschen Aussagen und keine verfälschenden Lücken beinhalten.

Der Leser, hieß es in einer Aussendung von Wikimedia Deutschland, bekommt zwar zunächst eine von einem Wikipedia-Autor "gesichtete Artikelversion" angezeigt, er hat aber die Wahl eine aktuellere [noch nicht gesichtete] Artikelversion, oder - falls diese vorliegt - eine "geprüfte Artikelversion" abzurufen.

Zweiklassensystem

Beobachter befürchten, dass durch das Zweiklassensystem potenzielle Autoren von der Mitwirkung an der Online-Enzyklopädie abgehalten werden könnten. Nicht zuletzt auch darum, weil die von ihnen vorgenommenen Änderungen nicht unmittelbar in den Texten aufscheinen. Vermutet wird auch, dass die Anzahl der Änderungen die vertrauenswürdigen Wikipedia-Autoren überfordern könnte.

Englischsprachige Wikimedia-Mitglieder sprachen sich laut "New Scientist" bereits gegen das Markierungssystem aus. Änderungen sollen in der englischsprachigen Version der Wikipedia auch weiterhin sofort sichtbar sein.

Den Artikeln könnte jedoch in Zukunft ein Link auf eine als frei von Vandalismus markierte Version beigestellt werden, hieß es.

Mit dem WikiScanner lassen sich seit kurzem Änderungen nicht angemeldeter Nutzer in der Wikipedia durchsuchen und über gespeicherte IP-Adressen Organisationen oder Institutionen zuordnen.

(futurezone | dpa)