Kreativitätskrise bei Computergames
Weil die Industrie lieber auf sichere Verkaufsschlager setzt als auf neue Ideen, scheint der Game-Markt in eine Kreativitäts-Krise gekommen zu sein.
Zu diesem Entschluss kamen verschiedenste Game-Entwickler bei einer Konferenz in San Jose. "Die Gaming-Industrie wird schrumpfen, wenn wir nicht bald neue Spiele zu sehen bekommen", meint Toru Iwatani, Erfinder des Welt-Hits Pacman.
Es gebe derzeit nicht viel Neues, weil vor allem versucht wird, mit Sequels an vergangene Erfolge anzuknüpfen und die Entwicklung von neuem Content weitaus teurer ist, als etwa den Inhalt eines Buchs, Films oder einer Fernsehshow zu adaptieren.
Marktführer Electronic Arts
Der Marktführer Electronic Arts [EA] ist Meister darin, seine
Kunden durch jährliche Veröffentlichungen von Sport-Games und
Kino-Hits wie "The Lord of the Rings: The Return of the King" und
"Harry Potter Quidditch World Cup" an sich zu binden. Vergangenen
Herbst startete man auch mit einem Online-Service für die
PlayStation 2.

Gamer werden älter
Während in Japan im Jahr 2001 zehn der 100 meistverkauften Spiele Originaltitel waren, sank die Zahl 2002 auf fünf. 2003 waren es nur noch zwei "neue" Games. Auch in den USA sieht es nicht anders aus: Dort waren im Dezember mehr als die Hälfte der 20 Top-Seller auf allen Plattformen Sequels oder Abwandlungen bereits existierender Games.
Diese Entwicklung sei unter anderem auch auf das steigende Alter der Gamer zurückzuführen. Eine Industriestudie im vergangenen Jahr ergab, dass das Durchschnittsalter der Video-Spieler auf 29 Jahre gestiegen ist.
"Die Core-Gamer werden älter und sie werden auch konservativer", so Ryoichi Hasegawa, ein Gaming-Veteran, der nach Sega nun bei Sony Spiele entwickelt.
Konsolenverkauf rückläufig
2002 war für die Game-Konsolenhersteller ein besonders
erfolgreiches Jahr. 2003 ist jedoch weniger gut verlaufen. Bis zu
den für 2005 erwarteten Nachfolgern von PlayStation 2 [PS2], Xbox
und GameCube dürfte sich dieser Abwärtstrend noch weiter verstärken.

Sequels und Film-Adaptionen
Doch nicht nur Electronic Arts setzt auf sicheres Material, auch "Halo 2" [Microsoft], "Doom III" [ID Software] and "Grand Theft Auto: San Andreas" [Rockstar Games] sollen Verkaufsschlager werden und an den Erfolg ihrer Vorgänger anknüpfen.
Auch Hersteller UbiSoft gab letzte Woche bekannt, dass er die 80er-TV-Serie "The Dukes of Hazzard" lizenziert hat. Indem man also auf Wiedererkennungswert setzt, will man es dem Konsumenten leichter machen, sein Geld auszugeben.
Diesen Trend hat es laut Pacman-Erfinder Iwatani in den letzten 20 Jahren schon öfter gegeben. Seiner Meinung nach gibt es wirklich revolutionäre Spiele nur alle zwei bis drei Jahre: "Es ist im Moment wirklich schwer, aber ich glaube in ein paar Jahren wird es wieder besser."