24.03.2004

DEUTSCHLAND

Zweiter IT-Börsengang geplatzt

Wenige Tage nach der Absage des Erfurter Chipproduzenten X-Fab ist nun auch der zweite geplante Börsengang [Initial Public Offering, IPO] in Deutschland nach fast zwei Jahren Emissionsflaute geplatzt.

Der Münchener Halbleiterzulieferer Siltronic hat überraschend seinen Börsengang auf unbestimmte Zeit verschoben.

Siltronic habe sich entschlossen, "der gestiegenen Unsicherheit an den Börsen Rechnung zu tragen und unseren IPO erst nach einer Beruhigung der Finanzmärkte fortzusetzen", teilte die Firma mit.

Ein Sprecher sagte, es gebe noch keinen Zeitpunkt für die Wiederaufnahme des Börsengangs. Sollten sich die Märkte jedoch erholen, wolle Siltronic sehr schnell wieder seine IPO-Pläne aufnehmen.

"Weltpolitische Lage ungünstig"

"Unser Unternehmen ist bei den Investoren auf großes Interesse gestoßen", erklärte Siltronic-Chef Wilhelm Sittenthaler. "Aber über die weltpolitischen Ereignisse der letzten Zeit kann sich auch ein attraktives Unternehmen nicht hinwegsetzen", begründete er den Rückzug.

Siltronic hatte die Ausgabe von bis zu 57,5 Millionen Aktien geplant, die Erstnotiz war für Freitag vorgesehen. Bei einer Ausgabe am oberen Ende der Preisspanne von 14,50 Euro bis 19,00 Euro hätte der Hersteller von Silizium-Wafern knapp 1,1 Mrd. Euro erlösen können. Damit wollte die Tochter der deutschen Wacker-Chemie Schulden abbauen und ihr Wachstum finanzieren.

"Das wirft ein schlechtes Licht auf den deutschen IPO-Markt und speziell diesen Börsengang", sagte ein Aktienhändler. "Mich überrascht die Verschiebung und auch die Begründung." Im vorbörslichen Handel wären die Aktien bei rund 16 Euro gelegen, daraus sei eine drohende Absage nicht abzuleiten gewesen.