Brain Force in Turbulenzen

wechsel
05.09.2007

Das Wiener Software-Unternehmen Brain Force löst seinen Vorstandschef Helmut Fleischmann ab und prüft die Bilanzen.

Der Firmengründer und Vorstandsvorsitzende Fleischmann [48] wurde mit sofortiger Wirkung vom Chefposten abberufen, teilte das Unternehmen in der Nacht auf Mittwoch mit.

Sein interimistischer Nachfolger wird der Brain-Force-Aufsichtsrat und ehemalige IBM-Österreich-Generaldirektor Günter Pridt [56]. Er soll die Geschäfte des börsennotierten Unternehmens vorerst bis Ende des Jahres führen, hieß es in einer Aussendung.

"Kein Liquiditätsengpass"

Hintergrund der Abberufung Fleischmanns sei eine Gewinnwarnung aufgrund drastischer Firmenabwertungen in Deutschland gewesen, sagte Pridt.

Brain Force brauche trotz der erwarteten herben Verluste im heurigen Jahr vorerst jedoch kein frisches Geld, so Pridt.

Bilanzen werden geprüft

Nach dem Abgang Fleischmanns würden die Bilanzen des Unternehmens geprüft, kündigte unterdessen der Chef des Brain-Force-Aktionärs Beko, Peter Kotauczek, an.

Es habe einen "Zwiespalt" zwischen den veröffentlichten Quartalszahlen und "nachträglich gemachten Ergänzungen des Vorstandes" gegeben, so Kotauczek. Fleischmanns interimistischer Nachfolger werde nun "alle Zahlen prüfen" und sehen, "ob noch Leichen im Keller liegen".

Aktie nach Gewinnwarnung auf Talfahrt

Im vergangenen Monat war die Brain-Force-Aktie um fast 50 Prozent eingebrochen. Das in Wien und Frankfurt börsennotierte Software-Unternehmen hatte daraufhin in der Vorwoche drastische Einschnitte angekündigt. 2008 will das Unternehmen wieder Gewinne schreiben.

Stellenabbau in Deutschland

Geplant sind Personalabbaumaßnahmen und Kürzungen der Marketingausgaben. Die Maßnahmen betreffen vor allem Deutschland.

Die rund 100 österreichischen Brain-Force-Mitarbeiter seien vom geplanten Stellenabbau nicht betroffen, sagte Martin Kögel, Investors-Relations-Verantwortlicher des Software-Unternehmens.

Der bisherige Vorstandschef Fleischmann ist laut Firmenbuch mit der auf seinen Namen lautenden Privatstiftung der größte Einzelaktionär von Brain Force. Die Stiftung hält 13,52 Prozent an der Brain Force Holding. Zusätzlich besitzt Fleischmann selbst einen Anteil von 2,15 Prozent am Unternehmen.

(APA)