US-Medienbranche vor Umbruch
Sollte Brian L. Roberts, der Chef des führenden US-Kabelfernsehsystem-Betreibers Comcast, mit seinem ehrgeizigen Übernahmeversuch bei dem US-Unterhaltungs- und -Medienkonzern Walt Disney Company zum Zuge kommen, wäre das der größte Erdrutsch in der US-Medienlandschaft seit vielen Jahren.
Die amerikanische und die globale Medien- und Unterhaltungsbranche hätte plötzlich einen neuen Marktführer mit mehr als 45 Mrd. USD Umsatz. Time Warner, die bisherige Nummer eins, würde mit 40 Mrd. USD auf den zweiten Platz zurückfallen.
Große Medienunternehmen wie Viacom mit seiner Fernsehtochter CBS, General Electric mit NBC und Time Warner mit seinen zahlreichen Kabelfernsehkanälen hätten mit Comcast/Disney einen schlagkräftigen Konkurrenten. Disney würde den Fernsehsender ABC, seine auf Familienunterhaltung ausgerichteten Kabelfernsehkanäle und seine Freizeitparks in den USA, Asien und Europa in die Ehe bringen, obwohl Disney-Chef Michael Eisner offensichtlich nicht mitmachen will.
Rasante Entwicklung
Comcast hätte sich dann von einem kleinen regionalen
Kabelfernsehsystem-Betreiber mit vielen zusammengestoppelten
Einzugsgebieten innerhalb von zwei Jahren zu einem scheinbar nicht
zu stoppenden Unterhaltungs- und Mediengiganten entwickelt.
Disney-Board lässt Comcast-Angebot prüfenClinch mit Pixar
Roberts hatte im November mit Comcast bereits die Breitbandsparte des Telefonkonzerns AT&T für 72 Mrd. USD geschluckt und war damit bereits als Kabel-TV-Systembetreiber vor Time Warner an die ersten Stelle gerückt.
Aber auch bei anderen Medienunternehmen geht es hoch her. Bertelsmann will seine Musiksparte BMG mit der von Sony verbinden.
General Electric hatte sich kürzlich die amerikanische Vivendi-Unterhaltungssparte des französischen Vivendi Universal Entertainment mit dem Universal-Filmstudio gesichert und legt sie mit seiner Fernsehtochter NBC zusammen. Hierdurch entsteht eines der am schnellsten wachsenden Medienunternehmen.
Liberty Media hatte die Restbeteiligung des großen TV-Shopping-Kanals QVC von Comcast übernommen. Die Einnahmen von mehr als sieben Mrd. USD verwendet Comcast zum Schuldenabbau.
Viacom will seine große Videoverleihfirma Blockbuster verselbstständigen und sich auf das schneller wachsende und profitablere Mediengeschäft konzentrieren.
Das erfolgreichste amerikanische Zeichentrickfilm-Studio Pixar Animation Studios hatte seine zwölfjährige Partnerschaft mit der Walt Disney Company überraschend beendet. Pixar-Chef Steve Jobs war im Unfrieden mit Disney-Chef Michael Eisner auseinander gegangen.
Rupert Murdoch und sein Imperium
Die News Corp. des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch hatte kürzlich DirecTV übernommen, den größten amerikanischen Satelliten-TV-Anbieter, und sich damit eine neue Vertriebsschiene für seine Filmstudios und Unterhaltungsprogramme geschaffen.
