Disney-Board prüft Comcast-Angebot
Der Unterhaltungskonzern Walt Disney lässt das Übernahmeangebot des US-Kabelfernseh-Betreibers Comcast prüfen.
Das Disney-Board sei zusammengetreten und habe Management und Berater des Unternehmens gebeten, das Angebot über mehr als 54 Milliarden USD eingehend zu prüfen, sagte Disney-Chef Michael Eisner am Mittwoch bei der vorgezogenen Präsentation der Quartalszahlen seines Unternehmens.
Comcast hatte die überraschende Veröffentlichung seines Angebots damit begründet, dass Eisner Gespräche darüber abgelehnt habe. Analysten reagierten positiv auf die Aussicht eines neuen Mediengiganten, äußerten aber die Erwartung, dass Comcast sein Angebot erhöhen muss, um die Disney-Aktionäre zu überzeugen.
Zusammen kämen die beiden Konzerne 2003 auf einen Jahresumsatz von 46 Milliarden USD, verglichen mit rund 40 Milliarden des weltgrößten Medienkonzerns Time Warner. Konkurrent News Corp. will nach Worten seines Chefs Rupert Murdoch nicht für Disney bieten. Im Zuge der Übernahmespekulation stieg die Disney-Aktie um nicht weniger als 15,66 Prozent.
Gerangel um CEO Eisner
In ihrer Kampagne gegen Eisner errangen zudem die beiden
ehemaligen Spitzenmanager Roy Disney, Neffe des Firmengründers Walt
Disney, und Stanley Gold einen Etappensieg. Eine einflussreiche
Interessenvertretung institutioneller Anleger, die Institutional
Shareholder Services [ISS], empfahl am Mittwoch, den Konzernchef bei
der Aktionärsversammlung Anfang März nicht im Amt zu bestätigen. Die
ISS kritisierte Eisners Politik bei Neubesetzungen im
Unternehmensboard: "Bedauerlicherweise sieht es so aus, als ob
Neubesetzungen im Board eher das Ziel hatten, gesunde
Meinungsverschiedenheiten in dem Gremium zu unterdrücken, als sie zu
fördern."
Comcast will Walt Disney übernehmenDie ISS empfahl zudem, die Ämter des Unternehmenschefs und des Chairmans zu trennen. Die Grenzen zwischen Management und Board seien in dem Konzern derzeit verwischt, hieß es. Einige Anlagefonds sind in ihrem Abstimmungsverhalten an die Empfehlungen der ISS gebunden.
Das Unternehmen wies die Kritik als "unerklärlich und ungerechtfertigt" zurück. Eisner habe die Reform des Boards vorangetrieben, hieß es.
Eisners Kritiker werfen ihm jahrelanges Missmanagement vor und Roy Disney sowie Gold versuchen Großinvestoren derzeit davon zu überzeugen, Eisner nicht weiter zu unterstützen. Ein Sprecher von Roy Disney sagte, das Comcast-Übernahmeangebot habe nichts mit dessen Kampagne gegen Eisner zu tun.
