Comcast will Walt Disney übernehmen
Der größte US-Kabelfernseh-Betreiber Comcast will den Unterhaltungskonzern Walt Disney für 66 Milliarden USD einschließlich Schulden übernehmen. Bei einer erfolgreichen Übernahme würde Comcast zu einem der weltgrößten Medienkonzerne aufsteigen.
Comcast teilte am Mittwoch vor Börsenbeginn völlig überraschend mit, die Offerte werde nun bekannt gemacht, nachdem Disney-Chef Michael Eisner Gespräche darüber abgelehnt habe. Zum Disney-Konzern gehören die gleichnamigen Filmstudios, der Fernsehsender ABC, der Sportkanal ESPN und die Disney-Freizeitparks.
Der Vorstand des Unterhaltungskonzern wird nach Angaben des Unternehmens das Übernahmeangebot "sorgfältig prüfen", wurde am Abend bekannt. Die Aktionäre forderte Disney auf, solange "keinerlei Initiative zu ergreifen".
Comcast bietet eigenen Angaben zufolge 0,78 eigene Aktien für jedes Disney-Papier. Das Angebot entspricht einem zehnprozentigen Preisaufschlag auf den Schlusskurs der Disney-Aktie am Dienstag.
In Europa reagierten Aktien von Medienunternehmen wie ProSiebenSat.1 Media und Vivendi Universal mit kräftigen Kursgewinnen auf die veröffentlichten Übernahmepläne.
ComcastAufsteiger Comcast
Comcast-Chef Brian L. Roberts sprach von einer "einzigartigen Gelegenheit für alle Aktionäre von Comcast und Disney einen neuen Marktführer in der Unterhaltungs- und Kommunikationsbranche zu schaffen". Die gemeinsame Gesellschaft wäre dann auch in der Lage, massiv mit anderen Unterhaltungsunternehmen zu konkurrieren, betonte er.
Comcast lockt die Disney-Aktionäre auch mit dem Hinweis, dass das Unternehmen einen besseren Zugang zu technologischen Innovationen bei der Übermittlung seiner Unterhaltungsangebote habe. Als integriertes Unternehmen könne man den Herausforderungen der jeweiligen Wettbewerber besser begegnen. Comcast rechnet damit, dass die behördlichen Genehmigungen erhältlich seien.
Die bis dahin drittgrößte amerikanische Kabelfernsehgesellschaft Comcast Corporation hatte den Branchenführer AT&T Broadband erst im November 2002 im Zuge eines Aktientauschs für knapp 30 Milliarden USD übernommen.
Comcast wurde damit zum dominierenden amerikanischen Kabel-TV-Konzern. Das neue Comcast ist fast doppelt so groß wie die amerikanische Nummer zwei, die Kabelfernsehsparte des weltgrößten Medienkonzerns Time Warner.
Das Unternehmen hatte zum Zeitpunkt der Übernahme 21,4 Millionen Kunden in 41 US- Bundesstaaten und 59.000 Mitarbeiter. Es hatte 6,3 Millionen digitale Videokunden, 3,3 Millionen Datenkunden und 1,3 Millionen Kabel-TV-Telefonkunden.
Größter US-Kabelanbieter enstandenDisney in der Defensive
Disney war zuletzt durch das Scheitern der Verhandlungen mit Pixar in die Schlagzeilen geraten:
Das Auslaufen des Vertrages mit Pixar ist für den Unterhaltungkonzern nicht nur ein kreativer Verlust, sondern könnte auch die finanzielle Performance des Konzerns beeinträchtigen.
Der Finanzanalyst Lehman Brothers schätzt den Anteil der Pixar-Filme am operativen Gewinn von Disney in den Jahren 2000 bis 2005 auf 45 Prozent oder 1,1 Mrd. USD.
In diesem Zeitraum werde Pixar für rund sieben Prozent der Disney-Gewinne pro Aktie verantwortlich sein. Die Zeit nach Pixar könnte für den ehemaligen Herrscher im Reich des Zeichentricks daher hart werden.
Pixar bringt Disney in die Bredouille
