04.02.2004

GADGET MAD

Tamagotchis sollen auferstehen

Der japanische Hersteller Bandai will einen seiner größten Erfolge neu und modifiziert auflegen:

Die virtuellen "Tamagotchi"-Haustiere waren vor rund sieben Jahren weltweit ein Hit, der teilweise epidemische Ausmaße hatte.

Das Ei-förmige Gadget musste permanent "gefüttert" und "gepflegt" werden, damit es wuchs und gedieh - andersfalls drohte der Hungertod und schlechte Laune.

Geschlechtsreif

Bandai hofft jetzt auf eine Wiederholung mit einem modifizierten Modell, das vor allem durch seine Kommunikations- und "Fortpflanzungsfunktionen" punkten soll.

Die neuen Tamagotchis können via Infrarot Kontakt miteinander aufnehmen und sich dann gegenseitig auf ihren Bildschirmen "besuchen".

Dabei können "Geschenke ausgetauscht" und "Freundschaften geschlossen" werden. Freunden sich ein "männliches" und eine "weibliches" Tamagotchi an, können sie zudem auch Nachwuchs zeugen. Nach der erfolgreichen "Zeugung" dauert es dann ungefähr zehn Tage das entstandene "Ei auszubrüten".

Weltweite Epidemie

Die Tamgotchis von Bandai und deren Nachahmungsprodukte verbreiteten sich ab 1997 eine zeitlang rapide rund um die Welt und wurden zum Sinnbild für digitales Spielzeug.

Ein Rundgang durch alte Agentur-Meldungen offenbart dabei wie heftig das Spielzeug damals einschlug:

So berichtete die dpa 1997 über "den neuen Tamagotchi-Trend", nach dem "es schon lange nicht mehr darauf ankommt, das Computer-Tierchen mit fleißigem Füttern, liebevollem Streicheln und pünktlichem Wickeln lange am Leben zu erhalten. Wer auf der Höhe der Zeit sein will, muß das 'Cyber-Pet' in möglichst kurzer Zeit töten."

Ebenfalls 1997 berichtete die APA folgendes: "Ein israelischer Rabbiner hat nach einem Zeitungsbericht ein religiöses Gebot gegen die virtuellen 'Tamagotchi'-Computerhaustiere erlassen. Da die virtuellen Haustiere rund um die Uhr Arbeit machten, sei ein Verstoß gegen den heiligen Sabbath zu befürchten."

Wiederum die dpa berichtete im August des gleichen Jahres: "Chinesische Kinder dürfen ihre Tamagotchi nicht mehr in die Schule mitbringen. 'Obwohl elektronische Haustiere erst vor kurzem aufgetaucht sind, ist ihr negativer Einfluß schon spürbar', begründete die Staatliche Erziehungskommission das Verbot. In staatlichen chinesischen Medien wurden Eltern scharf dafür kritisiert, daß sie bis zu 300 Yuan für die Cyberspace-Haustiere ausgeben. Kinder würden durch ihre Tamagotchi dazu verführt, die Schule und familiäre Pflichten zu vernachlässigen, hieß es."

Ende des Hypes

1998 kündigte sich bereits das Ende des Hypes an. Die AFP berichtete: "Eigentlich sind sie nach ihrem Ableben ein Fall für den Sondermüll: die elektronischen Haustiere Tamagotchi. In Ungarn dagegen finden sie ein würdigeres Grab, wie das ungarische Fernsehen berichtete: Am Samstag wurde in Dunaszekcsoe im Süden des Landes der erste Tamagotchi-Friedhof eingeweiht."

Und die dpa legte nach: "Ein rauchendes und saufendes 'Antigotchi' hat dem virtuellen Haustierchen 'Tamagotchi' den Kampf angesagt. Grün, häßlich, mit einer Eierschale auf dem Kopf und schrecklichen Manieren schlägt sich das Vieh durchs Leben und ist für eine Zielgruppe ab 16 Jahren gedacht. Für Kinder ist es ganz gewiß ungeeignet."

Altersheim

Zum Schluss suchte Bandai neue Absatzmärkte [APA]: "Statt um Hund, Katze oder Kanarienvogel werden Hunderte von Altersheimbewohnern in London sich künftig um das virtuelle Haustier Tamagotchi kümmern müssen. Sie bekommen das Spielzeug im Zuge eines von der japanischen Herstellerfirma Bandai finanzierten Pilotprojektes geschenkt. Bandai hat eigens Bedienungsanleitungen in Großschrift drucken lassen und setzt darauf, daß das digitale Spielzeug die gleiche therapeutische Wirkung haben wird wie die Hege und Pflege eines wirklichen Tieres."