Debatte über EU-Technologie-Institut
Heute diskutiert der Industrieausschuss des EU-Parlaments, ob und wie ein "EU Institute of Technology" gegründet werden soll. Widerstand von den nationalen Forschungsinstituten, die um ihre eigenen Erträge fürchten, ist garantiert.
Mehr als zwei Jahre lang liefen die vorbereitenden Konsultationen, doch nun ist es soweit. Heute beschäftigt sich der zuständige Industrieausschuss des EU-Parlaments mit der Frage, ob die Pläne der Kommission für ein "EU Institute of Technology" unterstützt werden sollen.
Die Initiative ist Teil eines EU-Generalplans namens "Lissabon Strategie", die eine "wissensbasierte Ökonomie" für Europa bis 2010 anstrebt.
Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hatte den Strategieansatz bereits 2005 vorgestellt, der Innovation, Forschung und Ausbildung In Europa ankurbeln soll.
Indien überholt die EU
Tatsächlich droht Europa gegenüber anderen Staaten langsam aber stetig zurückzufallen.
Indien bildet inzwischen jährlich mehr Wissenschafter und Techniker aus als die EU, bei einer Newsweek-Umfrage landeten wiederum 2006 gerade einmal drei europäische Universitäten unter den Top 20 der Welt.
Europas Achillesferse
Der Berichterstatter für das Parlament, der finnische Sozialdemokrat Reino Paasilinna, hatte zu geringe investitionen in Forschung und Entwicklung im Vorfeld als Europas Achillesferse bezeichnet.
Da man in puncto niedrige Arbeitskosten einfach nicht mit anderen Ländern mithalten könne, müsse Europa auf die Faktoren "Wissen und Erkenntnis" setzen.
Das kommende European Institute of Technology [EIT] werde besonders kleinen und mittleren Unternehmen zu Gute kommen. Die Konstruktion läuft nach US-Vorbild auf eine enge Kooperation zwischen Wirtschaft und Forschung hinaus.
2,4 Milliarden Euro bis 2013
Die geschätzten Kosten von 2,4 Milliarden Euro bis 2013 sollen denn auch aus einer Kombination von EU-Geldern, nationalen Förderungen und Investitionen der Wirtschaft zusammenkommen. Dazu hofft man natürlich, dass sich die Forscherei auch andersherum rentiert: Dass nämlich aus den EIT-Forschungsprogrammen eigene Einkünfte resultieren.
Ein Beispiel dafür ist nicht nur das Vorbild "Massachussetts Institute of Technology", das aus vielen Forschungsprojekten direkte Erträge lukriert.
Beispiel Fraunhofer Institut
Das deutsche Fraunhofer Institut nahm etwa 2006 insgesamt 92 Millionen Euro an Lizenzen ein, zwei Drittel davon stammen aus den Rechten auf die MP3-Technologie. Mit Forschungsaufträgen und staatlicher Förderung kommt Fraunhofer so auf ein Jahresbudget von etwa 1,2 Milliarden Euro.
Im Juni hatte das Institut angekündigt, einen Großteil der mittlerweile sinkenden Einnahmen aus MP3-Lizenzen in neue Patente zu re-investieren, um neue, erfolgversprechende Projekte zu fördern, die ihrerseits in Zukunft die nötigen Gelder hereinbringen sollen.
Der Hund, begraben
Genau da aber liegt für das EIT-Projekt der EU der Hund begraben. Die jeweiligen, nationalen Forschungsinstitute fürchten natürlich, dass der EIT-Aufbau ihren eigenen Forschungskompetenzen und damit den Einnahmen daraus abträglich sein könnte.
Das heißt: einen Teil der geplanten Gelder für das EIT hätte man selber gern. Das könnte die hochfliegenden Pläne für eine europäische Denkfabrik ebenso ernsthaft gefährden, wie der Umstand, dass die nationalen Forschungsinstitute Europas in einem beinharten Konkurrenzkampf untereinander stehen.
Nach den Diskussionen im Industrieausschuss des EU-Parlaments wird sich voraussichtlich Ende September das Plenum damit befassen.
