Fraunhofer mit "Patentoffensive"

strategie
11.06.2007

Die Fraunhofer-Gesellschaft will in Zukunft verstärkt auf "geistiges Eigentum" setzen, um höhere Lizenzeinnahmen zu generieren.

Die deutsche Forschungsorganisation Fraunhofer-Gesellschaft will dem Schwund der Einnahmen aus dem Patentschutz ihrer digitalen Audiotechnik MP3 mit einer neuen "Patentoffensive" begegnen. "Wir investieren große Teile der MP3-Lizenzerträge in neues geistiges Eigentum, um auch in Zukunft deutliche Erträge aus Lizenzen zu erzielen", sagte Fraunhofer-Präsident Hans-Jörg Bullinger am Montag in München.

Die Einnahmen aus den Lizenzen für das MP3-Verfahren, bei dem Musikaufnahmen elektronisch komprimiert werden und so leichter im Internet und auf tragbaren Geräten abgespielt werden können, seien im vorigen Jahr um gut ein Drittel auf 69 Millionen Euro zurückgegangen, teilte Europas größte Organisation für angewandte Forschung mit.

MP3-Boom ist vorbei

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren seien die Unternehmen, die im Voraus MP3-Rechte im Block erwarben, ausgeblieben. Zudem sei der Gipfel der Digitalisierung von Musik und der Erfindungen von digitalen Abspielgeräten wahrscheinlich bereits überschritten, erklärte eine Fraunhofer-Sprecherin den Rückgang.

Zudem nahm die Gesellschaft weniger durch Auftragsforschungen ein, sodass das gesamte Finanzvolumen 2006 auf 1,19 Milliarden Euro von 1,25 Milliarden Euro im Vorjahr schrumpfte, wie Fraunhofer mitteilte. Um ihre Eigenerfindungen kommerziell stärker nutzen zu können, stellt die Forschungsorganisation nach eigenen Angaben in den kommenden fünf bis zehn Jahren insgesamt über 100 Millionen Euro zur Verfügung.

Gut 60 Mio. Euro MP3-Lizenzgebühren

"Mit diesen massiven Investitionen in Eigenforschung können Fraunhofer-Wissenschaftler schutzfähige Ideen und Erfindungen konsequent voranbringen und durch Patentfamilien die wirtschaftliche Verwertung absichern", hieß es. Rund zwei Drittel der gesamten Fraunhofer-Lizenzeinnahmen von 92 Millionen Euro stammen aus den MP3-Rechten.

Die Patentoffensive habe bereits begonnen. Der Schutz der Verwertungsrechte der Projekte "Solarzellen auf Basis metallurgischen Siliziums" und "Mikrobrennstoffzellen" würden mit bis zu zehn Millionen Euro gefördert.

Mehr Fördergelder vom Staat

Fraunhofer wurde nach eigenen Angaben im Zuge des "Paktes für Forschung und Innovation" bis 2010 ein Anstieg der Förderung durch die Bundesrepublik Deutschland und die einzelnen Bundesländer von jährlich drei Prozent in Aussicht gestellt.

Das Geld will die Einrichtung für verstärkte Zusammenarbeit mit Hochschulen, der Max-Planck-Gesellschaft und Firmen nutzen, um die Innovationskraft der Wirtschaft zu erhöhen. "In den kommenden Jahren werden wir unsere technologischen und personellen Kapazitäten weiter ausbauen und zudem verstärkt in Wachstumsfelder investieren", sagte Bullinger.

(Reuters)