10.12.2003

NEUE RUNDE

Microsoft als deutscher Jobmotor

Im Kampf gegen Linux hat Microsoft nun einen neuen Weg eingeschlagen: Mit Studien will der Softwarehersteller nachweisen, dass seine Produkte einen größeren Beitrag zur Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland leisten als das konkurrierende offene Betriebssystem Linux.

"Microsoft wirkt in Deutschland als Jobmotor", meinte Jürgen Gallmann, Chef der deutschen Niederlassung, bei der Vorlage einer Studie zum Microsoft-Geschäftsmodell.

"Jedem einzelnen unserer 1.500 Microsoft- Mitarbeiter lassen sich direkt 51 Arbeitsplätze in der deutschen IT- Industrie zurechnen. Damit können wir von 76.000 Arbeitsplätzen bei unseren Partnern sprechen, die direkt mit Microsoft in Deutschland zu tun haben."

Suse: Linux als günstige Alternative

Richard Seibt, Chef der deutschen Suse, widersprach dieser Darstellung: Die von Microsoft bezahlten Studien zeigten, wie verzweifelt der Softwarekonzern versuche, gegen den Erfolg der Open-Source-Software anzugehen. Vielen Heimanwendern sei die Kombination von Windows und Microsoft Office zu teuer.

"Sie sind in der Vergangenheit auf Raubkopien ausgewichen und entdecken jetzt Linux." Und in den Unternehmen stünden möglichst günstige Gesamtkosten für Computersysteme im Vordergrund.

"Daher löst Linux in diesen Monaten eine Investitionswelle aus, die alle Aktivitäten von Microsoft selbst und den Microsoft Partnern übersteigt."

Freie Software als Konjunkturbremse

In einer weiteren Studie kommt das MICE zu dem Schluss, dass freie Software wie das Betriebssystem Linux aus volkswirtschaftlicher Sicht keine geeignete Alternative zum kommerziellen Softwaremarkt darstelle.

"Wenn Software unentgeltlich verfügbar ist, entstehen mit ihrer Entwicklung anders als auf dem kommerziellen Markt auch keine Erlöse, Einkommen, Arbeitsplätze und Steuern. Mit Dienstleistungen, die an die Software anknüpfen, können die Umsatzausfälle beim Softwarevertrieb nicht wieder erwirtschaftet werden", so Stefan Kooths, Leiter des Forschungsprojektes an der Universität Münster.

Der Wissenschaftler sprach zudem eine Warnung vor einer staatlichen Unterstützung von Gratissoftware-Projekten zum Beispiel durch öffentliche Universitäten aus.