04.07.2003

DEBATTE

MS gegen "ideologischen" Linux-Umstieg

Microsoft Österreich hat mit einem ausführlichen Statement auf den Vorstoß der Wiener Grünen reagiert, nach dem die öffentliche Verwaltung Wiens auf quelloffene Windows-Alternativen umsteigen soll.

Vorbild in Augen der Grünen ist München, das sich als erste deutsche Großstadt für den Umstieg auf die Open-Source-Software Linux entschieden hat.

Microsoft Österreich stimmt dabei prinzipiell der Forderung nach offenen Software-Standards zu, sieht allerdings keine ökonomischen Vorteile beim Linux-Einsatz gegenüber den eigenen Produkten.

Außerdem sieht Microsoft den Konkurrenten IBM als Nutznießer der teils "ideologisch" motivierten Open-Source-Fürsprecher.

Für Transparenz und Offenheit

Zunächst stimmt der Sprecher von Microsoft Österreich, Thomas Lutz, der Forderung nach offenen Software-Standards zu:

"Offene Standards sind ein Eckpfeiler der Microsoft-Plattform, und im Gegensatz zur Open-Source-Fraktion ist Microsoft neben vielen anderen kommerziellen Softwareanbietern auch ein aktiv mitarbeitendes Mitglied in den internationalen Standardisierungsgremien", sagt Lutz.

Sicherheit und Kosten

In seinen weiteren Ausführungen geht Lutz allerdings in die Offensive: Sein Konzern habe mit der "Common-Criteria-Zertifizierung" von Windows die "weltweit hochwertigste und für Regierungen international verbindliche Sicherheitsnorm" und die Linux-Welt nichts Vergleichbares zu bieten.

Zudem sei die Ausrüstung von großen Verwaltungen auf Basis der Windows-Plattform nicht nur insgesamt günstiger, es würde auch ein größerer Anteil der Gesamtkosten lokalen Dienstleistern zugute kommen.

Hier stellt sich für Lutz die Frage, "wie viel Steuergeld möglicherweise einer Ideologie geopfert werden soll".

Keine Glaubensfrage

Weiters kritisiert Lutz, dass von vielen Linux-Fürsprechern die Rolle IBMs ignoriert werde: Der Konkurrent werbe nämlich "derzeit massiv mit dem Marketing-Etikett 'Linux' um Regierungsaufträge".

Daher sei auch die Frage berechtigt, ob sich "die Grünen nun als Bote für IBM sehen" würden. Hier ist laut Lutz insbesondere zu beachten, dass im Vergleich zu Microsoft-Projekten "bei IBM eine weitaus größere Summe für Hardware und Dienstleistungen in die Taschen des US-Konzerns" fließe und "damit nicht lokalen Dienstleistungsfirmen zugute" komme.