Sieg für Indie-Labels gegen Hollywood
Im Streit um den Versand von Vorab-Kopien neuer Filme zur Jury-Bewertung, konnten die kleinen unabhängigen Filmproduzenten nun einen Sieg gegen die großen Hollywood-Studios davontragen.
In seiner Entscheidung gab Richter Michael Mukasey den Independent-Labels Recht, welche die Motion Picture Association of America [MPAA] beschuldigten, mit Kartellabsprachen die kleinen Filmproduktionen immer weiter in den Hintergrund drängen zu wollen.
Mukasey verhängte eine einstweilige Verfügung gegen die Filmindustrie. Simon Barsky, Chefsyndikus der MPAA, gab bekannt, dass man in jedem Fall Berufung einlegen werde.
Preisrichter sollen ins Kino gehen
Aus Angst vor Raubkopien hatten sich die Studios darauf geeinigt,
ihre Filme den Juroren nicht mehr wie bisher auf Videokassette oder
DVD zur Verfügung zu stellen. Stattdessen sollten die Juroren zur
Beurteilung der nominierten Filme ab 2004 wieder ins Kino gehen.
Keine Vorab-DVDs mehr für Oscar-JuryWeniger Chancen für Alternativ-Filme
Die kleineren Studios befürchteten, dass vor allem ihre unkonventionellen Filme ohne Starbesetzung unter dem Screener-Bann leiden würden.
Man nahm an, dass einige Juroren nur die näher gelegenen Blockbuster-Kinos besuchen und alle Filme, die dort nicht zu sehen sind, von der Kandidatur für einen Oscar ausschließen würden.
Das verschaffe großen Blockbuster-Produktionen, die dank ausreichend finanzieller Mittel überall in den USA gezeigt werden könnten, einen Wettbewerbsvorteil.
Der Richter erklärte, die Indie-labels hätten schon jetzt Einkommensverluste belegen können, obwohl die Award-Saison gerade erst begonne habe. Dieser Rückgang sei eindeutig auf den Screener-Bann zurückzuführen.
Lockerung nach Protesten
Nach mehrwöchigen Protesten prominenter Schaupieler und
Regisseure erlaubten die Studios schon Ende Oktober eine einzige
Ausnahme. Die 5.607-köpfige Oscar-Jury sollte als einzige weiterhin
mit DVDs beliefert werden.
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MPAA-Chef Jack Valenti erklärte der Screener-Bann sei ausschließlich als Maßnahme gegen Raubkopien gedacht.
Man wisse unzweifelhaft, dass die Screener eine qualitativ hochwertige Quelle für Raubkopierer in den USA und auch international seien. Dies versuche man zu unterbinden.
"Es ist nicht nur ein Sieg für die Indie-Labels, sondern ein Sieg für uns alle, da nur so die Film-Vielfalt erhalten werden kann," kommenterite Dawn Hudson vom Independent Feature Project Los Angeles das Urteil.
Auch Ted Hope, Produzent von Filmen wie "In the Bedroom" oder "American Splendor" erklärte, er sei außer sich vor Freude. Er habe schon während der Bekanntgabe den Saal verlassen und seine Vertriebspartner telefonisch angewiesen, sofort damit zu beginnen die Screener zu verschicken.
