Die Spätfolgen der Yline-Pleite
Die Indizien rund um den Bilanzskandal bei Yline verdichten sich. Ein Gutachten bestätigt nun, dass das Unternehmen künstliche Umsätze verbucht hat. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf Bilanzfälschung, Betrug und andere Delikte gegen Vorstand, Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfung.
Auch die Rolle des Gläubigers IBM wird zunehmend hinterfragt. Laut einem ehemaligen IBM-Manager soll die Hälfte von 30.000 PCs ohne vertraglich zugesicherte Finanzierungsvereinbarung geliefert worden sein.
Kern der umstrittenen Vorgänge rund um Yline war eine Software namens "Ares". Mitarbeiter der ehemaligen deutschen Yline-Tochter haben ausgesagt, dass Ares "kein Produkt", sondern lediglich "eine Philosophie bzw. Marketingidee" darstellte.
So sahen die "Geschäfte" aus:
Yline verkauft im September 2000 eine Ares-Masterlizenz an die
deutsche Tochter Proofit. Am 14. Dezember erhält Proofit von Yline
als "Gesellschafterzuschuss" 1,8 Mio. Euro. Am 23. Dezember 2000
bezahlt Proofit die Ares-Lizenz mit einem Scheck ebenfalls über 1,8
Mio. Euro.
Yline-Gründer Böhm im Visier der JustizBuchprüfung und Strafverfahren
Yline-Buchprüferin Elfriede Sixt, damals Mitarbeiterin bei Ernst&Young, bestätigte laut Gutachten in ihrem Testat für das Jahr 2000 aus dem Verkauf von Ares-Lizenzen rund 50 bis 70 Mio. S Erlöse, wies aber darauf hin, dass ein Großteil der Yline-Umsätze von verbundenen Unternehmen gekommen sei.
Ein Strafverfahren in der Causa Yline wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung, schweren Betrug, Untreue und Verstoß gegen das Aktiengesetz läuft. Der Verdacht auf fahrlässige Krida, wegen dessen ebenfalls ermittelt werde, sei verglichen damit "eine Lappalie", heißt es in Ermittlerkreisen.
Abschluss in einem halben Jahr
Ermittelt wird gegen den Yline-Vorstand, allen voran gegen
Yline-Chef Werner Böhm, gegen den Aufsichtsrat und auch gegen
Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young. Die Einvernehmungen der
Hauptverdächtigen sollen demnächst beginnen. Ein Abschluss der
Vorerhebungen der Staatsanwaltschaft wird aus derzeitiger Sicht in
einem halben Jahr erwartet.
YLine "sollte gar kein Geld verdienen"Die Rolle von IBM
Das parallel laufenden Insolvenzverfahren dreht sich derzeit vor allem um die Rolle von IBM. IBM hatte Yline im Jahr 2000 für 416 Mio. ATS insgesamt 30.000 PCs verkauft.
Und das ohne vertragliche Finanzierungsvereinbarung und zu einer Zeit, als Yline im Jahr 1999 rund 40 Mio. ATS Umsatz machte und einen Bilanzverlust von 88 Mio. S auswies.
Laut Böhm war IBM tief in die Yline-Geschäfte eingebunden. Durch den Deal soll IBM insofern profitiert haben, dass der Konzern im 1. Quartal 2000 zum PC-Marktführer in Österreich aufstieg. Außerdem soll der Vertrag damals von IBM-Prokurist Walter Fuchs eingefädelt worden seien, der nachweislich Gründungsaktionär von Yline war. Zudem soll die Hälfte des Yline-Börsenerlöses von rund 650 Mio. S zur Rechnungstilgung direkt an IBM gegangen sein.
