Experten sehen Ende der Info-Kontrolle
Die chinesische Regierung kontrolliert bekannterweise die den Bürgern zugänglichen Informationen und pflegt diese Zensur auch im Internet. Was immer von den Behörden als bedrohlich angesehen wird, wird blockiert.
Doch chinesische Internetexperten zweifeln am Bestand dieser Überwachung, da sich das Internet in dem kommunistischen Land immer weiter verbreitet.
"Ich würde zwar nicht sagen, dass China schon demokratisch ist, aber es kann die Informationen nicht mehr länger kontrollieren," so Guo Liang, Wissenschaftler am Institut für Sozialentwicklung an der Chinese Academy of Social Sciences.
50.000 Websites nicht erreichbar
Etwa 50.000 Websites sind für chinesische User im Durchschnitt
nicht erreichbar. Manche Themenbereiche wie Demokratisierung, Tibet
und Taiwan sind nahezu vollständig blockiert.
China mit schärfster NetzzensurText wird als Grafik versandt
Im Juli 2003 soll China bereits 68 Mio. Internet-Nutzer gehabt haben. Insgesamt hat das Land 1,3 Mrd. Einwohner.
Guo und viele andere zweifeln an der Effektivität der Filtersysteme. Geschickten Usern sei es durchaus möglich die Blockaden der Zensur zu umgehen.
"Meiner Ansicht nach, kann man das Internet einfach nicht kontrollieren," so Guo. "Die Leute können Informationen aller Art erlangen. Auch Grafiken können die Filter nicht scannen."
Als Besispiel nennt er Falun Gong, eine religiöse Bewegung die von der Regierung als "böser Kult" klassifiziert und verboten wurde.
"Trotzdem bekomme ich sicher einmal pro Woche ein Massenmail von Falun Gong," sagt Guo. "Die chinesischen Texte werden dabei einfach als Foto versandt. Wie sollen die Filter das erkennen?"
Plattform zur freien Meinungsäußerung
Im Rahmen einer Studie über die Internetnutzung in China befragte
Guo 4.100 Personen zwischen 17 und 60 Jahren in 12 chinesischen
Städten. Die Ergebnisse sind zwar nicht auf ganz China anwendbar,
doch zeigen sie schon deutlich, dass das Internet als Plattform zur
freien Meinungsäußerung und Fenster zur westlichen Welt gesehen
wird.
Rekurs von Internet-Aktivisten abgelehntDrittel in Großstädten online
So stimmten 72 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass das Internet seinen Nutzern neue Möglichlichkeiten zur Äußerung von politischen Ansichten gibt. 61 Prozent sehen das Netz als Chance, Kritik an der Regierung zu üben.
73 Prozent sind der Meinung, die Behörden könnten mit Hilfe des Internets die wirklichen Ansichten der chinesischen Bürger besser kennenlernen. Nur 13 Prozent sprachen sich für eine weitere Kontrolle politischer Netz-Inhalte aus.
Besonders hoch ist die Internetnutzung in Großstädten wie Peking und Schanghai, wo etwa ein Drittel der Einwohner bereits online ist. Doch laut der Studie waren auch in den kleineren Städte bereits 27 Prozent zumindest ein Mal online.
63 Prozent der Befragten gaben dabei an, von zu Hause aus ins Internet zu gehen, der Rest nutzt eines der vielen Internet-Cafes.
Filter verursachen Geschwindigkeitseinbußen
Hauptproblem der Intrnet-Nutzung sind immer noch die langsamen
Verbindungen in China. Ursache dafür sind die Filter, die der
gesamte Datenverkehr passieren muss, wenn er die "Grenze" passiert.
34 Proeztn beklagen desweiteren ständige Verbindungsabbrüche.
Zensur dämpft Surf-Geschwindigkeit
