IT-Verflechtung zwischen EU und China
Auf dem EU-China-Gipfel am Donnerstag in Peking ist der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi als amtierender EU-Ratspräsident erstmals mit der neuen chinesischen Führung zusammengetroffen.
Nach einem Gespräch mit Staats- und Parteichef Hu Jintao kamen Berlusconi und die anderen EU-Spitzenpolitiker in seiner Delegation auch mit Ministerpräsident Wen Jiabao zusammen.
Im Mittelpunkt des EU-China-Gipfels standen die bilateralen Beziehungen und Wirtschaftsfragen. Beide Seiten unterzeichneten auch zwei Abkommen: Dabei geht es um die 200 Millionen Euro hohe Beteiligung Chinas an dem europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo und die Aufnahme eines Dialogs über Industriepolitik.
Berlusconi wird von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, dem Außenpolitiker Javier Solana und Handelskommissar Pascal Lamy begleitet. Angesprochen werden soll auch die Bindung der chinesischen Währung an den US-Dollar, welche die Exportchancen der EU-Wirtschaft in China erschwert.
EU und China kooperieren im AllUSA gegen Kooperation
Die USA haben in den letzten Wochen vergeblich versucht, das Galileo-Abkommen zu verhindern: Nach Informationen des "Spiegel" hat US-Präsident George W. Bush zuletzt massiv auf Ratspräsident Berlusconi eingewirkt, um das bereits vereinbarte Abkommen zu kippen.
Demnach hat Berlusconi die Unterzeichnung des Vertrages wegen vorgeblicher "technischer Probleme" von der Tagesordnung gestrichen und sie erst nach deutlichen Drohungen von Kommissionspräsident Prodi stillschweigend wieder auf den Plan gesetzt.
USA gegen Chinas Galileo-BeteiligungGemeinsame Entwicklung
Mit dem zivil verwalteten Navigationssystem wollen die Europäer dem amerikanischen Global Positioning System [GPS] von 2008 an Konkurrenz machen. Die Kooperation mit China soll die Vorteile des Systems unter anderem im Verkehrswesen, in der Wissenschaft, der Landvermessung und Katastrophenverhütung nutzen.
Dazu sollen Forschungsergebnisse ausgetauscht, Bildungsvorhaben gefördert sowie gemeinsame Projekte und industrielle Kontakte verfolgt werden.
Europäische Unternehmen wollen zusammen mit chinesischen Partnern auch Vorschläge präsentieren, wie der Markt für Galileo-Anwendungen entwickelt werden kann. Ob und wie das Navigationssystem, das China derzeit selbst errichtet, in die Kooperation einfließt, ist derzeit unklar.
China baut eigenes NavigationssystemProduktionsstandort und wachsender Markt
China ist aber nicht nur bei Galileo Partner für westliche IT-Unternehmen: Das Land entwickelt sich zusehends vom Produktionsstandort auch zu einem boomenden Markt. So schätzt Intel, dass China schon im Jahr 2010 die USA als größter PC-Markt überholen wird.
Passend zu dieser Entwicklung und symbolträchtig zeitgleich mit der Unterzeichnung des Galileo-Abkommens hat am Donnerstag der Münchner Chiphersteller Infineon im westlich von Schanghai gelegenen Suzhou den Grundstein für ein neues Joint Venture mit der China-Singapore Suzhou Industrial Park Venture [CSVC] gelegt.
Nach der für Anfang 2005 geplanten Fertigstellung sollen dort rund 1.000 Beschäftigte bis zu eine Milliarde Chips pro Jahr produzieren. Die dafür über zehn Jahre angelegte Investitionssumme von insgesamt einer Milliarde USD verschlingt den Löwenanteil der in den kommenden Jahren für China geplanten Ausgaben.
Infineon will in den kommenden zwei bis drei Jahren seinen Absatz von DRAM- Speicherchips in China um ein Drittel steigern: "Um als Wettbewerber eine Chance zu haben, müssen wir unseren Marktanteil auf mindestens 25 Prozent bringen", sagte am Donnerstag in Schanghai Asien-Chef Kin Wah Lo. "Wir wollen die Nummer eins werden." Derzeit liege der Marktanteil für dieses Hauptprodukt von Infineon bei knapp 18 Prozent.
2010 überholt China die USA bei PCs
