15.10.2003

URHEBERRECHT

Front gegen die "Leerkassettenvergütung"

Pauschal auf leere CDs, Kassetten und Videos erhobene Gebühren sind den heimischen Unternehmen ein Dorn im Auge.

Die Wirtschaftskammer Österreich [WKÖ] will sich daher bei der für morgen angesetzten Enquete zur Urheberrechtsnovelle für eine Abschaffung der "Leerkassettenvergütung" der Verwertungsgesellschaften einsetzten:

"Es hat keinen Sinn, eine Finanzierung auf diese Weise aufrechtzuerhalten, wenn dabei Ungleichbelastungen herauskommen", sagte der Leiter der WKÖ-Abteilung für Rechtspolitik, Hanspeter Hanreich, heute bei einem Pressegespräch.

Abschaffung gefordert

Eine Studie zum österreichischen Urheberrecht, die das Institut für Höhere Studien [IHS] im Auftrag der WKÖ erstellte, soll belegen, dass die österreichischen Verwertungsgesellschaften mit erhöhten Tarifen vor allem bei CDs Einnahmeverluste bei weniger gefragten analogen Medien ausgleichen.

Erst Tariferhöhungen bei digitalen Medien im Audiobereich wie CDs bewirkten demnach einen Anstieg der Einnahmen der Verwertungsgesellschaften aus der "Leerkassettenvergütung". Laut IHS stiegen etwa die CD-Tarife von 1998 bis 2002 um rund 300 Prozent, die für Audio digital von 2000 bis 2002 um etwa 25 Prozent.

Solche Entwicklungen schlagen auch auf den Verkaufspreis durch - und damit auch auf das Geschäft der heimischen Unternehmen. An die Stelle der "Leerkassettenvergütung" sollen daher nach Ansicht der WKÖ individuelle Abrechnungssysteme treten.

Diese neuen Methoden müssten zusammen mit den Verwertungsgesellschaften auf eine "sichere gesetzliche Basis" gestellt werden, so Hanreich. Gemeint sind damit die Digital-Rights-Management-Systeme [DRM].

Angriff vorhergesehen

Schon vor dem WKÖ-Vorstoß hatten Vertreter der österreichischen Verwertungsgesellschaften AKM und Austro Mechana Befürchtungen geäußert, dass die pauschale "Leerkassettenvergütung" zu Gunsten des Digital Rights Managment "aufgesprengt" wird.

Durch DRM könnten die Künstler demnach in eine schwächere Position geraten. Für die Zukunft setze man daher auf die weltweit eindeutige Nummerierung jedes Musikstückes mit dem International Standard Work Code [ISWC].

Im Übrigen wird der Enquete von Austro-Mechana-Direktor Helmut Steinmetz und Gernot Graninger von der AKM nur eine "Ventilfunktion" zugemessen. "Für eine Bestandsaufnahme ist es viel zu früh. Es wird eher eine Riesenshow", so Graninger.