Chinas erster Taikonaut ist im All
China hat am Mittwoch seinen ersten bemannten Weltraumflug gestartet. 42 Jahre nach dem ersten Raumflug des sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin ist China damit nach Russland und den USA das dritte Land, dass Menschen ins Weltall fliegt.
Um 9.00 Uhr [3.00 Uhr MESZ] hob die Trägerrakete vom Typ "Langer Marsch 2F" mit der Raumkapsel "Shenzhou 5" [Magisches Schiff] und dem 38-jährigen Taikonauten Yang Liwei an Bord bei guten Wetterbedingungen in der Wüste Gobi nahe der Inneren Mongolei in Richtung Orbit ab.
Zehn Minuten später erreichte die Raumkapsel ihre vorgegebene Umlaufbahn. Yang soll rund 21 Stunden im All bleiben und dabei 14 Mal die Erde umrunden.
Eine halb Stunde nach dem Start sagte Taikonaut Yang - ein Oberstleutnant der Armee - von Bord aus, es gehe ihm gut, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete.
"Wir sind stolz auf ihn", sagte sein Schwager wenige Minuten vor dem Start der Nachrichtenagentur Reuters. "Um seine Sicherheit machen wir uns keine Sorgen, wir vertrauen in die fortgeschrittene Technologie des Landes."
China vor erstem bemannten RaumflugNur der erste Schritt
Der Raumflug stelle den "ersten Schritt" Chinas dar, um den Weltraum in Zukunft "als Industriebasis" zu nutzen, sagte Gu Yidong, Chefingenieur der chinesischen Raumfahrtbehörde, vor dem Start zu Xinhua.
Zunächst sind zwar bescheidenere Ziele im Gespräch wie bessere Satellitensysteme zur Datenübertragung und zur Wettervorhersage sowie Forschungen zum Reisanbau.
Sollte der Flug aber problemlos verlaufen, könnte die Raumfahrtindustrie mit Plänen für Flüge zum Mond sowie einer eigene Weltraumstation einen deutlichen Impuls erhalten.
China will sich aber auch aktiv am europäischen Navigationssystems "Galileo" beteiligen. Eine entsprechende Vereinbarung, die nach EU-Angaben auch eine "beträchtliche finanzielle Beteiligung" vorsieht, soll am 30. Oktober auf dem europäisch-chinesischen Gipfeltreffen unterzeichnet werden.
China hatte sein Weltraumprogramm 1958 begonnen und ein Jahr später einen ersten Satelliten mit einer Rakete ins All gebracht. Im Laufe des Kalten Krieges musste das kommunistische Land seine Weltraumambitionen allerdings zurückstecken. Unter dem damaligen Präsidenten Hu Jintao und seinem Vorgänger Jiang Zemin wurden die chinesischen Pläne einer bemannten Raumfahrt 1992 wiederbelebt.
EU und China kooperieren im AllMilitärische Ambitionen
Neben dem politischen und wissenschaftlichen Nutzen dient der Einstieg in die bemannte Raumfahrt aber auch militärischen Zwecken.
Zwar beteuert die Regierung, China entwickle seine Raumfahrttechnologie "nur für die friedliche Nutzbarmachung des Weltalls", doch berichten westliche Experten, dass das chinesische Raumschiff "Shenzhou" schon bei den vier Testflügen Aufklärungssysteme an Bord gehabt habe.
China studiere ferner die Technologie von Anti-Satelliten-Waffen und betreibe "energisch" die Entwicklung von Spionagesatelliten, sagte der Verteidigungsexperte Robert Karniol des Fachmagazins "Jane's Defense Weekly".
Chinas Militärs sprechen offen über die Notwendigkeit, im Weltall vertreten zu sein - "sonst wird man von anderen herumgeschubst", zitierte die "Volkszeitung" einen Strategen.
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