18.08.2003

KOMPLEX

Simulation soll Blackout-Ursache klären

Ingenieure, Mathematiker und Computerexperten stehen vor einer Sisyphusarbeit: Sie sollen den gigantischen Datenberg nach dem Stromausfall in den USA und Kanada analysieren und eine möglichst sekundengenaue Chronik der Ereignisse erstellen.

Sie setzen dabei auf Ermittlungstechniken, die auch nach Flugzeugabstürzen zum Einsatz kommen. Computer kalkulieren dafür mögliche Szenarien und vergleichen sie mit den vorliegenden Daten.

"Wir werden uns jede Sekunde ansehen, um festzustellen, wie diese Schockwelle über uns hereinbrach und warum wir sie nicht stoppen konnten", sagt Stephen Allen, der Sprecher des "Northeast Power Coordinating Council". "Innerhalb von sieben bis zehn Tagen wird uns eine sehr genaue Chronik vorliegen, fast Sekunde für Sekunde."

Komplexes System

"Nicht einmal der beste Computer kann das ganze System überblicken und alle Schwachpunkte feststellen", erklärt der Physiker Phillip Schewe, der gerade ein Buch über den Blackout von 1965 schreibt. "Komplizierte, stark verwobene Systeme wie dieses bewegen sich ständig auf einen kritischen Zustand zu."

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Koordinierungsräte auf US-Bundesebene [NERC], Michehl Gent, hat sich der Stromausfall so schnell ausgebreitet, dass einige wichtigen Momente möglicherweise nicht aufgezeichnet worden sind.

Spezialisten begannen bereits mit der Sammlung der Daten aus Stromkreisunterbrechern und Sensoren. Aufzeichnungen der Stimmenrekorder in den Kontrollräumen sollen den Ermittlern Hinweise auf mögliche Fehler der Mitarbeiter liefern. "Ein Flugzeug hat eine Black Box", sagt Allen, "wir haben Hunderte."

Komplizierte Analyse

Die gesamten Daten werden dann in Computer eingegeben, welche die Stunden des Stromausfalls immer wieder rekonstruieren und die Informationen mit den Hypothesen vergleichen sollen.

"Wir können einen Computer nehmen und ihn das System zeigen lassen, wie es um 15.00 Uhr am Donnerstag existierte. Dann können wir Minute für Minute sehen, wie sich die Daten veränderten", erklärt der Manager des Mid-Atlatic Area Council.

Anhand der gesammelten Informationen der Versorger werden die eingerichteten Untersuchungsausschüsse ihre Arbeit verrichten und schließlich eine Empfehlung an die Regierungen in den USA und Kanada abgeben können.

"Was geschah, liegt auf den Computern zahlreicher Unternehmen", sagt NERC-Sprecher Ellen Vancko. "Die endgültige Analyse wird sehr komplex sein."