Provider wollen nicht Netz-Polizei spielen
In einem gemeinsamen Brief an die Musikindustrie wehren sich 100 US-Internet-Service-Provider [ISP] nun gegen das Ausspionieren ihrer Kundendaten.
Die Provider ließen sich von der Musikindustrie nicht in die Rolle einer Internet-Polizei drängen, kritisiert die gemeinsame Plattform NetCoalition.
In dem Schreiben werden weiters gezielte Fragen betreffend die geplante weitere Vorgangsweise in Bezug auf Urheberrechtsverletzungen durch Tauschbörsen-Nutzer gestellt. Es soll noch am Montag den Musikverbänden zugestellt werden.
Erst am Wochenende musste die Musikindustrie eine erste Niederlage einstecken. Ein US-Bundesgericht wies die Versuche, mittels Vorladung die Namen von vermeintlichen Tauschbörsenpiraten am MIT und Boston College zu erfahren, als unrechtmäßig zurück.
Erste Niederlage für RIAA-VorladungenProvider für Handlungen der Nutzer haftbar?
Der Brief ist eine Reaktion auf die Flut an Abmahnungen, welche die US-Musikindustrie derzeit an Tauschbörsen-Nutzer und deren Provider verschickt. Damit sollen die Namen der vermeintlichen Gesetzesbrecher in Erfahrung gebracht und diese anschließend auf Schadenersatz geklagt werden.
Dabei beruft sich die Musikindustrie auf ein Urteil gegen US-Provider Verizon, wonach Provider die Daten ihrer Kunden herausgeben müssen, wenn diese gegen Copyright verstoßen.
"Die Internet-Unternehmen haben die nachvollziehbare Angst, dass das wahre Ziel dieser Klagewelle darin besteht, die Provider für die Handlungen ihrer Nutzer haftbar zu machen", so der Brief der NetCoalition.
Die Musikindustrie kann den Brief derzeit noch nicht kommentieren, da sie ihn nach eigenen Angaben noch nicht erhalten hat.
Gründungsmitglieder der NetCoalition sind unter anderem Amazon, AOL, eBay, und Yahoo. Sie repräsentiert des Weiteren Provider-Verbände aus Virginia, Washington und Wyoming und viele einzelne Unternehmen wie Bway.net in New York.
NetCoalitionTauschbörsen-Nutzer beste Kunden
Matt Oppenheim, Anwalt der RIAA [Recording Industry Association of America], wirft den ISPs im Gegenzug vor, die Mitarbeit nur deswegen zu verweigern, weil gerade der einfache und kostenlose [wenn auch illegale] Download von Musik und Filmen viele Kunden anziehe.
Peer-to-peer [P2P]-Nutzer seien schon jetzt für etwa die Hälfte des Traffics bei Breitbandanschlüssen verantwortlich.
"Wir verlangen keineswegs, dass die Provider Internet-Polizei spielen", so Oppenheim. "Wir fordern nur eine Einhaltung der Gesetze. Würden sie diese befolgen, hätten wir keine Probleme."
Die NetCoalition hinterfragt in ihrem Brief vor allem, nach welchen Kriterien jene User, die schließlich Vorladungen erhalten, ausgewählt werden, und mit welchen Kosten das verbunden ist.
"Es gibt sicher einen besseren Weg als Prozesse", mahnen die ISPs in dem Schreiben.
