Solides Wachstum bei RTL Group

tv
08.03.2007

Der größte Fernsehkonzern Europas, die RTL Group, hat seinen Gewinn im vergangenen Jahr um 11,5 Prozent gesteigert. Laut Firmenchef Gerhard Zeiler will das Unternehmen "neue Plattformen ausprobieren".

Die RTL Group steigerte Umsatz und Gewinn im abgelaufenen Jahr dank steigender Werbeeinnahmen deutlich. "2006 war sehr zufrieden stellend für die RTL Group", sagte Vorstandschef und Ex-ORF-Generaldirektor Zeiler am Donnerstag.

Die wichtigsten Gewinnbringer hätten gute Ergebnisse geliefert. Dazu zählen der deutschsprachige Raum mit der RTL-Senderfamilie, Frankreich mit M6, die Produktionsfirma FremantleMedia, RTL in den Niederlanden sowie Antena 3 in Spanien.

Umsatz und Gewinn steigen

Der Umsatz sei bereinigt um Zu- und Verkäufe um 7,4 Prozent auf 5,52 Mrd. Euro gestiegen, teilte die umsatzstärkste Tochter des deutschen Medienkonzerns Bertelsmann in Luxemburg mit.

2005 hatte RTL unter anderem die übrigen Anteile am britischen Fernsehsender Five übernommen. Insgesamt erhöhte sich der Umsatz um 10,3 Prozent. Der um Restrukturierungskosten und Anlaufkosten bereinigte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen [EBITA] stieg um 11,5 Prozent auf 889 Mio. Euro.

Netto verdiente die RTL-Gruppe nach Anteilen Dritter 890 Mio. Euro, 66 Prozent mehr als 2005. Wegen Sondereffekten etwa aus dem Verkauf von Beteiligungen eingerechnet erhöhte sich das Nettoergebnis sogar um 80 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro.

RTL will die Aktionäre an dem Gewinnplus mit einer um 14 Prozent auf 1,20 Euro pro Aktie erhöhten Dividende beteiligen. Zusätzlich solle eine Sonderausschüttung von 1,80 pro Papier gezahlt werden. Der überwiegende Anteil fließt Bertelsmann zu. Der Mutterkonzern hält gut 90 Prozent an der RTL-Gruppe.

Zeiler: "Neue Plattformen ausprobieren"

Für die Entwicklung des Werbemarktes 2007 wagte Zeiler keine konkrete Prognose. "Wir sind vorsichtig optimistisch", sagte er. Die deutschen Sender seien viel versprechend ins Jahr gestartet. RTL bereite sich auf seinen Kernmärkten auf eine Ausweitung der Marke vor. Die digitale Welt biete dafür gute Möglichkeiten, ob Video auf Abruf, mobiles TV, Internet-Fernsehen oder Online-Plattformen. "Jetzt ist die richtige Zeit, alle neuen Plattformen und Wege zum Konsumenten auszuprobieren", sagte Zeiler.

In einem Zeitungsinterview hatte er vergangenes Wochenende trotz Verschuldung des Mutterkonzerns einen Spielraum für milliardenschwere Übernahmen bekräftigt. "Wir sind in unserer Entwicklung durch Bertelsmann keineswegs eingeschränkt", erklärte er zuletzt. Ziel sind kleinere Zukäufe in England, Zentral-, Ost- und Südeuropa.

Verzicht auf Endemol

Kein Interesse hat Europas größter TV-Konzern an der niederländischen Produktionsfirma Endemol. "Wir werden kein Angebot in der kommenden Auktion machen", sagte Zeiler am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Der spanische Telekom-Riese Telefonica hatte zuletzt den Verkauf seines 75-prozentigen Anteils an Endemol angekündigt. Das Unternehmen ist bekannt für die Produktion erfolgreicher Fersehshows wie "Big Brother" und "Millionenshow".

Zuletzt war davon die Rede, der französische Luxusgüterkonzern LVMH sei am Erwerb von Endemol interessiert.

Konzentration auf EU-Ebene

Unterdessen arbeiten die Investorengruppen KKR und Permira weiter daran, die kürzlich von ihnen erworbene deutsche Sendergruppe ProSiebenSat.1 mit der europaweit tätigen Kette SBS zu einem Großkonkurrenten der RTL Group zu verschmelzen.

(APA | Reuters | futurezone)