"Piraten-Oscar" für "Departed"

25.02.2007

Martin Scorseses Gangster-Drama "Departed" hat bei der Download-Abstimmung auf der Website Oscartorrents den Preis für den besten Film gewonnen. Beinahe alle nominierten Streifen sind in diversen Filesharing-Systemen bereits erhältlich - natürlich nicht legal.

Lange bevor in der Nacht auf Montag der US-Comedy-Star Ellen DeGeneres die Zeremonie um die Verleihung der Academy Awards [Oscars] in Los Angeles eröffnete, war bei den "Piraten-Oscars", über die auf der Site Oscartorrents abgestimmt werden konnte, bereits der Sieger gekürt.

4.000 Stimmen für "Departed"

Mehr als 4.000 Leute stimmten per Download und Online-Abstimmung für Martin Scorseses Chicagoer Gangster-Oper "Departed" als besten Film. Auf den Plätzen folgten die Komödie "Little Miss Sunshine" [mehr als 2.800 Stimmen] und der Episodenfilm "Babel" von Alejandro Gonzalez Inarritu [rund 2.500 Stimmen].

Auf Oscartorrents gibt es Links zu BitTorrent-Dateien beinahe aller Filme, die für die diesjährigen Academy Awards nominiert sind. Die Piraten luden ihr Publikum dazu ein, sich die Filme anzusehen und im Voting-System der Website selbst abzustimmen. Oscartorrents wurde von den Machern der schwedischen Website Piratebay ins Leben gerufen.

Meryl Streep beste Hauptdarstellerin

Scorsese und sein Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio lagen auch im Rennen um den besten Regisseur und den besten Hauptdarsteller mit 3.464 Stimmen [DiCaprio] und 2.825 Stimmen [Scorsese] vorne.

Als beste Hauptdarstellerin konnte Meryl Streep die OscarTorrents-Besucher überzeugen. Für ihre Rolle in "The Devil Wears Prada" erhielt die Hollywood-Schauspielerin rund 1.800 Stimmen.

Rat an die Filmindustrie

Die Oscartorrent-Initiatoren sehen sich rechtlich auf der sicheren Seite. Die Torrent-Dateien seien bereits im Netz erhältlich, man verlinke lediglich darauf, heißt es auf der Site, auf der auch die Filmindustrie ihr Fett wegbekommt.

Anstatt überteuerte DVDs und Kinotickets zu verkaufen und Kinobesucher mit "lächerlicher Anti-Piraterie-Propaganda" zu nerven, raten die "Piraten" den Studios, sich nach neuen Geschäftsmodellen umzusehen.

Rituelle Aufregung über Oscar-Screeners

Wie jedes Jahr gab es im Vorfeld der Oscar-Verleihung unterdessen auch heuer wieder Aufregung über Oscar-Screeners. Die von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences an Juroren ausgegebenen Ansichtsexemplare von nominierten Filmen tauchen zuverlässig auch in Online-Tauschbörsen auf.

Heuer wurde der Oscar-Screener des Animationsfilms "Flushed Away" über digitale Wasserzeichen in Online-Tauschbörsen identifiziert. Dem Beschuldigten drohen nun wegen Urheberrechtsverletzungen bis zu drei Jahre Haft.

Laut Waxy.org wurden noch 24 weitere offizielle Screeners der diesjährigen Academy Awards Teil der Tauschökonomie des Netzes.

Empfindliche Strafen

2004 wurde der Schauspieler und damalige Oscar-Juror Carmine Caridi wegen der Weitergabe eines Ansichtsexemplar eines nominierten Films zu 600.000 US-Dollar Schadenersatz verurteilt.

Im vergangenen Jahr gelangte unter anderem ein Oscar-Screener des Johnny-Cash-Biopics "Walk the Line" ins Netz.

Ein Academy-Award ging unterdessen bereits nach Österreich. Der Waldviertler Martin Waltz erhielt bereits in der vergangenen Woche den Technical Achievement Award für besondere technische Leistungen in der Filmindustrie.